Als Reiseland hatte ich Georgien überhaupt nicht auf dem Sender, doch das sollte sich schnell ändern. Doch fangen wir am Anfang an. Nach dem etwas verwirrenden Grenzübergang mussten wir eine georgische Autoversicherung bzw. Kfz-Haftpflichtversicherung abschließen, die hier gesetzlich vorgeschrieben ist für ausländische Fahrzeuge. Wir mit unserem dicken Bruno mussten für 30 Tage rund 50 Euro bezahlen. Der Abschluss der Versicherung ist völlig unkompliziert direkt hinter der Grenze möglich, aber auch vorab online zu erhalten. Unsere erste Anlaufstelle ist der Campingplatz "Tabor N1" in Gonio.
Der Campingplatz ist sehr ursprünglich und rustikal, bietet aber alles was man braucht. Wer allerdings ein Küchenhaus oder Sanitärgebäude braucht ist hier falsch. Auf einer großen Wiese treffen sich Camper, Zelter und Overlander gleichermaßen. Wir werden sehr herzlich von unseren russischen Nachbarn aufgenommen, die ganz fasziniert von Bruno und den Katzen sind. Auf dem Platz laufen sechs Hunde und eine Katze frei herum die vom Campingplatzbesitzer versorgt werden. Da für die Benutzung keine Gebühren erhoben werden, bittet der Besitzer um Spenden für die Versorgung der Straßenhunde, was wir natürlich gerne gemacht haben. So verbringen wir unsere erste Nacht in Georgien bevor es am nächsten Morgen weiter geht nach Dagva.
Der Kulturpalast in Dagva gehörte der Kalinin-Kollektivfarm an und ist ein Überbleibsel aus Sowjetzeiten, der als Unterhaltungszentrum, Versammlungsort für lokale Landarbeiter, Dorfversammlungen und regionale Volksfeste diente. Im inneren kann man noch das große Theater, die zerfallenden Betonsitzreihen und die Bühne betrachten. Wie immer in Lost-Places ist auch hier Vorsicht angeraten, und natürlich alles auf eigene Gefahr.
Noch immer kann man sich den einstigen Prunk vorstellen beim Betrachten der Stuckdecken oder der Deckenmalerei.
Das Kriegsdenkmal für die Gefallenen im Zweiten Weltkrieg oder wie im sowjetischen Sprachgebrauch "Großer Vaterländischer Krieg" steht am Eingang zum Friedhof. Unter der Inschrift "Ewigen Ruhm den im Vaterländischen Krieg gefallenen Kriegern" sind Portraits der zum Teil sehr, sehr jungen Männer oder Buben abgebildet. Der Friedhof selbst überrascht uns mit einer Art Grabstein wie wir es noch nie gesehen haben.
Statt der bei uns üblichen Namen mit Geburts- und Todesdatum, sind hier die Bilder der Verstorbenen in den Stein eingraviert wird. Auch finden wir an fast jeden Grab eine Sitzgelegenheit oft auch mit Tisch.
Weiter geht es in Richtung Nagomari wo wir außerhalb an einem Feuchtgebiet einen Platz für die Nacht finden. Auf der Fahrt hierher sind wir an Wohnsiedlungen vorbeigekommen die eine sehr deutliche Sprache von Armut sprechen. Häuser und Hütten die bei uns längst der Abrissbirne zum Opfer gefallen wären, sind hier noch voll bewohnt. Entlang der Straßen sind gelbe Rohrleitungen in der Höhe verlegt, bei denen wir zuerst dachten dass es Wasserleitungen sind. Tatsächlich sind es Gasleitungen die die Häuser mit Gas versorgen. Was uns total fasziniert hat sind die freilaufenden Schweine, Kühe und Pferde mit denen man immer im Straßenverkehr rechnen muss.
An unserem Stellplatz sind einige Straßenhunde unterwegs die alle einen Knopf im Ohr haben. Neugierig wie wir sind haben wir recherchiert und herausgefunden dass die Tiere von einer Tierschutzorganisation oder der Stadt gefangen, geimpft (besonders gegen Tollwut), kastriert und registriert wurden. Hunde mit einem solchen Knopf werden als friedliche, betreute Stadthunde in ihrer Umgebung geduldet. Dies ist, so der Tierschutz, eine humane Methode die Anzahl der Straßenhunde zu kontrollieren anstatt sie zu töten. Wir füttern zwei der Hunde die uns an Bruno einen Besuch abstatten, und am nächsten Morgen auch brav auf Frühstück warten, das sie natürlich auch bekommen.
Nächster Halt ist Vani, denn Vani hat eine berühmte archäologische Bedeutung. Bei Ausgrabungen wurden die Überrester einer Stadt des antiken Kolchis freigelegt. Ein Kolchis war ein antikes, goldreiches Königreich an der östlichen Küste des Schwarzen Meeres, dessen historischen Kernland im heutigen Westgeorgien liegt. Der antike Name ist unbekannt, doch die Fundstelle zeigt vier unterschiedliche Besiedlungsphasen an. Die früheste reicht ins 8. bis 7. Jahrhundert v. Chr.
^^^ Statuette der Siegesgöttin Nike, aus dem 2. Jahrhundert v. Chr.
^^^ eine antike Bronzelampe, die die mythologische Entführung des Jünglings Ganymed durch den Gott Zeus in Gestalt eines Adlers darstellt. Das hellenistische Kunstwerk stammt aus der Zeit zwischen 250 und 100 v.Chr.
Immer wieder stellen wir uns die Frage warum hier soviel griechische Kunst zu bewundern ist und erfahren, dass Vani vom 3. bis zum 1. Jahrhundert v. Chr. sich zu einer mächtigen Tempelstadt entwickelte, und die herrschende Pristerelite über die Jahrhunderte hinweg enorme Reichtümer durch Opfergaben, Weihgeschenke und religiöse Abgaben anhäufte.
Nachdem wir das Museum besucht haben wollen wir auch die Ausgrabungsstätten sehen, aber der Weg führt über diese Hängebrücke...
Möglicherweise waren wir von der Museumsausstellung so beeindruckt dass die Ausgrabung uns nicht mehr fesseln konnte. Spannender war die alte, einsturzgefährdete Hütte. ;0))) Aber Vani hat noch mehr zu bieten, außerhalb der Stadt soll es eine heiße Quell geben, und viel Platz zum Übernachten. Die Fahrt dorthin würde ich jedoch nur mit einem Fahrzeug wagen das über Bodenfreiheit verfügt, denn selbst mit unserem Bruno war es kein Vergnügen dorthin zu gelangen.
Nahe dem Dorf Dikhashkho liegen die heißen Schwefelquellen von Vani. Das azurblaue, schwefelhaltige Thermalwasser hält das ganze Jahr über eine konstante Temperatur von rund 38°C. Das Wasser fließt direkt am Ufer des Flusses Sulori aus der Erde in zwei künstlich angelegte Becken. Leider sind bei unserer Ankunft beide Becken belegt, sodass wir beschließen ein ganzes Stück Abstand zwischen uns zu bringen. Weit genug weg von spielenden Kindern und Hunden können die Katzen raus und lüften. Neugierig wird unsere Ankunft von einer großen Kuhherde beäugt, und am Abend kommen Wildpferde dazu. Mitten in der Nacht werde ich wach durch ein Husten das eindeutig nicht von uns stammt. Ängstlich wecke ich Thomas der schauen soll, ob jemand ums Auto schleicht. Und tatsächlich liegt jemand neben Bruno, allerdings kein Mensch sondern eine hustende Kuh die sich von der Herde abgesondert hat. Na dann, Gesundheit. Am nächsten Tag kommen wir erst gegen Mittag los, weil wir uns mit einem Reisenden festgequatscht haben, der ebenfalls abseits steht. Nächstes Ziel, wieder ein Lost Place, dieses Mal besuchen wir in Zqaltubo das Sanatorium Metallurgist. Das besondere oder auch erschreckende ist, dass in diesem Gebäude noch immer Menschen wohnen.
Für´s Wochenende wollen wir einen Campingplatz anfahren wo Thomas sich um den Gaszug kümmern kann. Ihr erinnert euch das ein Grenzbeamter an dem Hebel rumgespielt hat, und darauf hin unser Bruno viel zu hoch gedreht hat (Ich hoffe ihr versteht wovon ich als Laie hier stammele). Auf jeden Fall ist unser nächster Halt in Kutaisi auf dem Stellplatz MzeGeo RV Park. Ein sehr freundliches Ehepaar führt diesen kleinen Platz auf dem wir alles, wenn auch rudimentär zur Verfügung haben. Hier kann Thomas schrauben und auch die neuen Stoßdämpfer für die Kabine einbauen, während ich mich um den riesen Wäscheberg kümmere. Und wie an jedem Wochenende wird gearbeitet, Videoschnitt und der Reiseblog wird weiter geschrieben. Da auf dem Platz Hunde sind können die Miezen nicht raus, was beide sehr stoisch hinnehmen. Erst am Dienstag geht es weiter zum Shaori Stausee, wo wir uns ein wenig abseits hinstellen, die Katzen lüften und immer das Wetter im Auge behalten. Die Straße zum See ist eine reine Lehmstraße die für uns nicht mehr zu befahren ist, sollte der angesagte Regen kommen. Also trinken wir gemütlich Kaffee, und als die Katzen genug gelüftet sind stellen wir uns nochmal um. In dieser Nacht kommt auch ein heftiges Gewitter mit ordentlich Regen... Alles richtig gemacht.
Nachrichten von zu Hause bringen mich ein wenig aus der Fassung und meine Stimmung ist für die Brunobesatzung wahrscheinlich schwer auszuhalten. Thomas hat eine tolle Strategie für solche Jammertage, wir gehen Einkaufen. Mit einem Wagen voller Gemüse und Obst und noch mehr Süßigkeiten ist alles wieder gut. Unser nächster Stellplatz ist bei Ubisa, wo wir direkt neben dem Fluss Dzirula stehen. Hier können wir zuerst mit den Katzen einen Spaziergang machen, und anschließend einen Gang durch den knietiefen Fluss. Eine Herde von Kühen schaut uns etwas verwundert dabei zu.
Am Abend trifft sich die Dorfjugend am nahegelegenen Spielplatz, und wir kommen bis in die frühen Morgenstunden in den Genuss georgischer Musik und Partystimmung. Am nächsten Morgen nehme ich ein kühles Bad im Fluss und dann geht es auch schon weiter. Unser großes Ziel ist die Dreifaltigkeitskirche im Hohen Kaukasus. Auf dem Weg dorthin kommen wir am Wehrkloster Ananuri vorbei. Doch leider ist es für einen Besuch zu spät und wir beschließen das Kloster am kommenden Tag zu besichtigen. In der Nähe des Klosters, abseits der Straße finden wir unseren Schlafplatz.
Hier finden wir nicht nur herrliche Steine entlang des kleinen Baches, wir können auch mit den Katzen spazieren gehen und anschließend die mitgebrachten Teilchen vom Bäcker vernaschen. Allerdings entpuppt sich die Quarktasche als ein salziges Käsegebäck, was aber auch sehr lecker schmeckt.
Das Wehrkloster Ananuri vereint weltliche, militärische und religiöse Architektur des georgischen Spätmittelalters. Die sichtbaren Wehrmauern und das Hauptgebäude stammen aus dem 16. und 17. Jahrhundert. Die Geschichte der Burg ist von blutigen Fehden geprägt, denn wer Herr der Burg war der kontrollierte auch die Passstraße. Die Anlage unterteilt sich in die obere Festung die noch immer gut erhalten ist, und in die tiefer gelegene Festung die eher einer Ruine gleicht. Innerhalb der Ringmauer findet man das Prunkstück die "Große Himmelfahrtskirche" von 1689. Der "Sheupovari-Turm", so heißt der quadratische Bergfried der oberen Festung kann teilweise noch bestiegen werden. Zudem gibt es einen vierstöckigen Wehrturm mit pyramidenförmigem Dach.
Von hieraus fahren wir die alte Heerstraße die auf 213 Kilometer Länge durch den Großen Kaukasus Georgien mit Russland verbindet. Der höchste Punkt der Heerstraße ist der Dschwari-Pass oder auch Kreuzpass auf 2379 Metern Höhe. Wir durchqueren den bekannten Wintersportort Gaudauri und besuchen das von den Georgiern etwas belächelte Freundschaftsdenkmal.
Das 1983 unter sowjetischer Führung errichtetes Freundschaftsdenkmal soll an den Vertrag von Georgijewsk aus dem Jahr 1783 erinnern , der Ostgeorgienunter den Schutz des Russischen Reiches stellte. Der bogenförmige Aussichtsbalkon bieten einen tiefen Blick in das Teufelstal und auf die umliegenden Gipfel des Großen Kaukasus. Die Mosaike die den Betonbogen zieren , zeigen Szenen aus der georgischen und russischen Geschichte sowie Legenden.
Rund 35 Kilometer von diesem fantastischen Panoramablick entfernt, liegt die Dreifaltigkeitskirche Gergeti Sameba.
Mit Blick auf die Kirche und und dem 5054 Meter hohen Massiv des Kasbek, verbringen wir hier das Wochenende. Ankunft Freitags, beschließen wir Samstags zum Cafe 360° zu wandern das auf etwa 3000 Metern Höhe am Berg Kasbek liegt.
Gut gelaunt starten wir unsere Wanderung auf den Berg, immer im Hinterkopf das wir viel Zeit haben und ein entspanntes Tempo gehen können. Wir werden mehrfach von jungen Wanderern überholt, und kommen schnell zu der Erkenntnis dass wir die ältesten am Berg sind.
Oben am Cafe 360° angekommen, gönnen wir uns eine heiße Schokolad (zum Preis einer Niere) und sind richtig stolz auf unsere Leistung. Natürlich lässt Thomas die Drohne steigen, die spektakuläre Bilder vom Gletscher und dem Berg liefert.
Der Abstieg geht zwar recht schnell, ist aber erwartungsgemäß viel schmerzhafter als der Aufstieg. Egal, Schmerz vergeht, Stolz bleibt. Zurück an Bruno und raus aus den Bergstiefeln gibt es erstmal einen schönen Becher Kaffee auf der Dachterrasse. Der Sonntag verläuft wie immer mit Schreiben und Schneiden. Am Montagmorgen besuchen wir die Kirche auf die wir das ganze Wochenende im Blick hatten.
Auf etwa 2170 Metern Höhe liegt die Gergeti Sameba isoliert auf einer Bergkuppe. Die Kreuzkirche und der separate Glockenturm stammen aus dem 14. Jahrhundert und dienten als sicherer Zufluchtsort für den georgischen Kronschatz Mzcheta sowie wertvolle Reliquien in der Zeit von Invasionen durch die Perser oder Osmanen. Während der sowjetischen Herrschaft war die Kirche geschlossen, wurde jedoch nicht zerstört. Heute gehört sie wieder der Georgischen Orthodoxen Apostelkirche und wird von Mönchen bewohnt. Da es sich um ein bewohntes Kloster handelt, gilt auch hier ein Dresscode. Im Inneren ist das Fotografieren untersagt, daher hab ich keine Bilder .
Unser nächster Stellplatz ist unweit von Stepansminda am Pansheti Mineral Water Spring. Ein Pool gefüllt mit dem hier aus der Erde sprudelnden Mineralwasser. Leider ist das Wetter mit 17 C° nicht einladend für ein kaltes Bad. Nur ein paar Kinder sind unerschrocken genug
Auf dem Gelände rings um den Pool, leben vier Straßenhunde die sehr dankbar sind für eine kleine Mahlzeit. Das angebotene Trockenfutter wird in windeseile verputzt, und wir sehen jetzt auch warum in den Rezessionen von einem verrücken Hund die Rede ist. Einer der Fellnasen (so unser Eindruck) erkennt seinen eigenen Schwanz nicht als ihm zugehörig an, und versucht während des Fressens immer hinein zu beißen. Es ist ein seltsames Schauspiel, auch die anderen drei Hunde warten ab bis der verwirrte fertig ist, und kommen dann erst näher. --- Wer hat noch nicht von einem verrücken Chef gehört. ;0))) Die Nacht ist von den Hunden durchbellt, was Thomas um den Schlaf bringt, mich jedoch überhaupt nicht stört. Am nächsten Tag fahren wir die Heerstraße zurück und kommen wieder an den Travertin Mineralsprings vorbei. Dieses kleine Schmankerl haben wir uns bewusst für den Rückweg aufgehoben und können es jetzt bestaunen.
Die Travertin-Mineralquellen an der Heerstraße zählen zu den auffälligsten Naturwundern im Hohen Kaukasus. Entstanden durch die intensiven vulkanischen und geologischen Aktivitäten der Region. Die Mino Quelle die direkt an der Heerstraße liegt, ist eine terrassenförmige Travertinwand an der das eisenhaltige Wasser kontinuierlich den Hang hinab fließt. Das stark kohlensäure- und mineralhaltige Grundwasser triff aus der Tiefe an die Oberfläche. Kommt es mit der Luft in Kontakt, entweicht das CO2 wodurch Kalk und Eisenoxid ausfallen und sich schichtweise als Travertin ablagern. Die Mineralzusammensetzung ist für die verschiedenen Farbgebungen von Weiß und Creme bis hin zu Orange, Gelb und Rostrot. Weiter geht´s bis wir in Zhinvali den geplanten Schlafplatz am Fluss nicht erreichen können, weil die Zufahrtsstraße aus Lehm besteht, zu tiefe Fahrrillen aufweist und bei dem angekündigten Regen für uns überhaupt nicht mehr machbar ist. Also fahren wir auf die andere Flussseite, stellen uns auf eine Wiese neben einer Baustelle und verbringen dort die Nacht. Nicht schön, aber für eine Nacht ok. Etwa 15 Kilometer von Gori entfernt liegt die "Festung des Herrn". Uplistische ist eine der ältesten Höhlenstädte Georgiens die komplett in den Sandstein geschlagen wurde, und zu einem der wichtigsten Handels- und Kulturzentren zählte.
Die Upliszule-Kirche ist eine Backsteinbasilika aus dem 9./10. Jahrhundert die über dem Fundament eines zerstörten, heidnischen Tempels erbaut wurde. Upliszule liegt am höchsten Punkt des Felsens.
Der geheime Tunnel ist ein steil abfallender Gang , der vom Plateau hinunter zum Fluss Kura führt. Während Belagerungen diente dieser Tunnel als Fluchtweg und auch zur Wasserversorgung.
Im 13. Jahrhundert zerstörten mongolische Horden die Felsenstadt weitgehend. Danach verlor die Anlage ihre Bedeutung als urbanes Zentrum und diente nur noch bei Invasionen den Menschen als Zufluchtsort.
Bei Sasireti verbringen wir die Nacht an den Ufern des Kura und erleben bei Nacht einen heftigen Sturm mit Starkregen und Gewitter. Thomas der bei dem Getöse kein Auge zu bekommt, behält den Fluss im Auge für den Fall dass wir unser Lager abbrechen müssen. Aber alles bleibt ruhig, bis auf den Sturm. Der nächste Tag ist dem Kauf einer neuen Gimbal-Kamera gewidmet die wir in Tiflis kaufen möchten. Auf dem Weg dorthin sehen wir die Schäden die der Sturm angerichtet hat. In Tiflis parken wir an der Kongresshalle die zentral liegt, und daher der perfekte Ausgangspunkt für jegliche Erkundung ist. Zuerst legen wir einen fünf Kilometer-Marsch hin um die Kamera zu kaufen, gehen dieselbe Strecke zurück und beginnen dann mit unserer Stadttour.
Die Friedensbrücke wurde vom italienischen Architekten Michele De Lucchi entworfen und 2010 eröffnet. Sie verbindet die historische Altstadt mit dem Rike Park.
Der Baum des Lebens ist eine auffällige Bronzeskulptur des georgischen Künstlers David Monavardisashvili aus dem Jahr 2011. Sie steht im Rike Park nahe der Friedensbrücke. Hier lohnt es sich ganz genau hin zuschauen . Der Stamm besteht aus kleinen Reliefs und Häuschen, die den traditionellen Baustil der Tifliser Altstadt mit ihren charakteristischen Holzbalkonen abbilden. Der Baum verbindet Natur und Stadtgeschichte, so kann man auf den Ästen Vögel und Blätter sehen, während der Stamm die lebendige Kultur erzählt.
Unweit vom Baum des Lebens ist die Seilbahnstation in der man für kleines Geld eine Fahrt zur gegenüberliegenden Narikala-Festung machen kann. Uns ist die Warteschlange eindeutig zu lange, und unsere Lust uns anzustellen geht gegen null. Wir besuchen stattdessen die Mecheti-Kirche, eine klassische Kreuzkuppelkirche aus Ziegel und Mauerwerk.
Der Himmel wird immer dunkler und der Regen lässt wohl nicht mehr lange auf sich warten, deswegen beschließen wir zurück zu Bruno zu gehen. Unterwegs kommen wir an einem Areal vorbei mit dicken hohen Mauern. Was sich dahinter verbirgt erkennen wir erst als wir am Eingangsportal vorbeikommen.
Das Patriachat von Georgien ist eine der ältesten christlichen Institutionen der Welt und bildet das administrative und geistliche Zentrum der georgischen orthodoxen Staatskirche. Das aktuelle Oberhaupt der georgischen orthodxen Kirche ist Katholikos-Patriarch Shio III.
So viel Geschichte steckt hinter den dicken Mauern und dem herrlichen Eingang.
Wir kommen am schiefen Turm vorbei der vom Künstler, Regisseur und Puppenspieler Rezo Gabriadze aus verschiedenen recycelten Bauelementen und handbemalten Kacheln errichtet wurde.
Zu jeder vollen Stunde erscheint eine goldene Engelfigur und schlägt mit einem kleinen Hammer die Glocke. Der Turm wirkt herrlich schief und wird von einer Stahlstütze gehalten. Im Inneren öffnet sich jeden Tag um 12.00 Uhr und um 19.00 Uhr der Vorhang für das mechanische Minidrama " Der Kreis des Lebens".
Kaum zurück an Bruno, öffnen sich die Schleusen und der Regen prasselt nur so runter... Alles richtig gemacht. Am nächsten Morgen verlassen wir etwas übermüdet den Parkplatz, denn die Nacht war erwartungsgemäß sehr laut, und machen uns auf zu den Chroniken von Georgien. Wir verlassen uns auf Google Maps und werden wieder durch ein enges Bergdorf geschleust , vorbei oder besser mitten durch einen riesigen Friedhof bis hin zu diesem monumentalen Denkmal.
Ich muss mich jetzt echt beherrschen um nicht alle Bilder einzustellen, denn ich bin über die Maßen entzückt. Aber seht selbst...
Aber jetzt doch noch ein paar Bilder.
Für diesen Ort sollte man viel Zeit einplanen um alles in Ruhe betrachten zu können, auch wenn man Gefahr läuft sich ein steifes Genick zu holen. Thomas ist recht flink durch, während ich mir eine Säule nach der anderen anschaue und aus dem Staunen nur schwer heraus komme. Letztlich habe auch ich alles gesehen und wir fahren weiter denn auf unserem Tagesprogramm steht noch der Besuch der "Lilo-Mall".
Hinter der Lilo-Mall verbirgt sich ein riesiger Groß- und Einzelhandelsmarkt unter freiem Himmel am Stadtrand von Tiflis. Auf ca. 35 Hektar bieten 6000 Händler alles an was man sich nur denken kann. Kleidung, Schuhe, Textilien, Gardinen, Möbel, Spielzeug, Elektronik, Haushaltswaren, eben alles außer Lebensmittel. Bilder habe ich keine gemacht weil ich schlicht und ergreifend von dieser Masse erschlagen war.
Übers Wochenende haben wir uns nach dem vielen Trubel einen extra ruhigen Platz gewünscht, den wir auf dem Gelände des ehemaligen sowjetischen Militärflugfeld Shiraki auch gefunden haben. Die Anfahrt ist allerdings mehr als abenteuerlich, die Straßen so stark beschädigt sind dass an vielen Stellen ein Durchkommen unmöglich ist. Wer das Flugfeld besuchen möchte muss sich unbedingt an die Wegbeschreibung halten und über ein gewisses Maß an Bodenfreiheit verfügen.
Der ehemalige sowjetische Luftwaffenstützpunkt Shiraki liegt im Osten Georgiens in der Region Kachetien. Erbaut wurde die Basis 1950 und beheimatete das 178. Garde- Jagdfliegerregiment der sowjetischen Streitkräfte. Während des Sowjetisch-Afghanischen Krieges diente das Flugfeld als strategischer Stützpunkt für Angriffsflugzeuge der Typen Suchoi Su-24 und Su-17.
Nach dem Zerfall der UdSSR 1992 zog das Militär ab und das Gelände wurde an Georgien übergeben. Während des Kaukasuskrieges geriet das stillgelegte Flugfeld unter Beschuss durch russische Streitkräfte und wurde bombardiert . Heute kann man noch die 53 halbmondförmigen Hangars sowie die lange Betonstartbahn besichtigen. Die Hangars werden von lokalen Bauern als Lagerhallen für Getreide und Heu verwendet, während die Freiflächen als Viehweiden genutzt werden. An diesem geschichtsträchtigen Ort verbringen wir das Wochenende , werden von freilaufenden Pferden neugierig beobachtet und auch eine Kuhherde kommt immer wieder vorbei. Wir haben auch ständig den Geruch von Feuer in der Nase weil hier die abgeernteten Felder abgebrannt werden. In der Dunkelheit können wir dann auch die Feuer sehen. Am Dienstagmorgen machen wir uns auf die Suche nach dem letzten Jagdflugzeug das angeblich hier noch irgendwo stehen soll, können aber nichts finden. Später erfahren wir dass das Wrack im Juli 2026 abtransportiert wurde... Da kamen wir etwas zu spät.
Unser nächster Stopp ist in der Nähe von Signagi, das alte Haus. Hierbei handelt es sich um ein verlassenes Grundstück mit Pool und einem einstmals bestimmt schönen Haus. Der heutige Zustand lässt nur noch erahnen wie wohlhabend die Besitzer einst waren. Inzwischen sind im Gebäude die Heuvorräte des Ortsansässigen Schafhirten . Nichts desto Trotz hat unser Fienchen große Freude im Heu mit den Mäusen, während der Bube im Pool zwischen all dem Müll im Schatten relaxt.
Das nächste große Highlight ist das Kloster David Garedscha welches rund 114 Kilometer entfernt liegt. Bei unserer Recherche was wir uns anschauen wollen ist dieses Kloster unbedingt dabei.
Das Kloster zählt zu den eindrucksvollsten Höhlenklöster im Kaukasus, und liegt rund 70 Kilometer von Tiflis entfernt direkt an der Aserbaidschanischen Grenze.
Die architektonische Besonderheit des Klosters Garedscha ist dass es kein einzelnes Bauwerk, sondern aus einem Komplex aus etwa 20 in den Fels gehauene Klosteranlagen besteht. Eingebettet in einer kargen, steppenartigen aber unglaublich farbenprächtigen Landschaft erstreckt sich die Anlage über rund 25 Kilometer.
Das Kloster wurde im 6. Jahrhundert von Saint David (Dawit Garedscheli) geründet um das Christentum in Georgien zu verbreiten. In seiner Blütezeit 11.-13. Jahrhundert wuchs der Komplex zu einem bedeutenden geistigen und kulturellen Zentrum heran, das sogar unter königlichem Schutz stand. Wandmalereien aus dem 9. bis 13. Jahrhundert zieren die Kapelle.
Blick auf die gegenüberliegenden Regenbogenfelsen, wo wir auch unseren Schlafplatz gefunden haben.
Der Besitzer der Wiese kommt am Nachmittag vorbei und versichert uns dass wir gerne stehenbleiben dürfen und er sich freut dass wir da sind. Diese Art der Gastfreundschaft erleben wir hier immer wieder , vielen Dank dafür.
Für den nächsten Tag haben wir den Besuch einer Filmkulisse geplant, aber Vanlife ist kein Ponyhof. Die letzten 10 Kilometer bis zu dieser Kulisse ist die Straße so derart schlecht, das wir nicht weiterfahren wollen. Eine Lehmstraße mit großen Wasserpfützen und dem einsetzenden Regen lässt uns umplanen, darin sind wir inzwischen perfekt ;0)). Zuvor wird noch eine Schildkröte sicher auf die andere Straßenseite geleitet und dann gehts auch schon weiter. Kurze Zeit später regnet es in Strömen und wir sind richtig froh nicht weiter in Richtung Filmkulissen gefahren zu sein. So kommen wir früher als geplant in Asureti an.
Zu Beginn des 19. Jahrhunderts machten sich hundert schwäbische Familien auf den Weg in den Südkaukasus. Getrieben durch Hungersnöte, Wirtschaftskrisen sowie religiösem Pietismus folgten die Schwaben dem Ruf des russischen Zaren Alexander I. , der Steuerfreiheit, Landzuteilung und Religionsfreiheit garantierte nach Georgien. Hier gründeten sie am 19 November 1818 die deutsche Siedlung. Da der Gründungstag auf den Namenstag der heiligen Elisabet fiel, war der Name für das Dorf schnell gefunden... Elisabethtal... Die Häuser wurden nach schwäbischen Vorbild gebaut, massive Fachwerkhäuser mit tiefen Weinkellern und geschnitzten Balkonen prägten das Ortsbild. Elisabethtal wurde besonders für seinen Weinbau bekannt, zudem entstanden eine Mühle, ein Sägewerk und eine Brauerei. Das tragische Ende kam 1941 mit dem Angriff des Deutschen Reiches auf die Sowjetunion. Josef Stalin ordnete die Zwangsdeportation fast aller Kaukasiendeutschen an, und innerhalb weniger Tage wurden die Einwohnerfestgenommen, in Viehwaggons verladen und nach Kasachstan und Sibirien deportiert.
Die Lutherische Erlöserkirche aus dem Jahr 1871 wurde umfassend saniert und gelegentlich finden auch wieder lutherische Gottesdienste statt. Im Inneren findet man kein Kirchengestühl sondern eine spannende Fotoausstellung zur Dorfgeschichte. Etwas außerhalb auf dem historischen Friedhof zeugen die alten Grabsteine mit deutschsprachigen Inschriften von den einstigen Familien des Dorfes.
Am Stausee von Algeti übernachten wir, füttern die Hundebande die hier wohnt ( wir zählen zehn Tiere ) und genießen die schöne Aussicht von der Dachterrasse aus. Leider ist es sehr windig und auch unangenehm mit der Zeit sodass wir den Rest des Tages in Bruno verbringen.
Am kommenden Morgen machen wir uns auf den Weg zum Dashbashi Canyon um die Diamond Bridge eine 240 Meter lange Glasbrücke zu überqueren. Der Canyon ist bekannt für seine vulkanischen Felswände und einem System aus Wasserfällen am Grund der Schlucht. Klingt soweit alles sehr spannend und beeindruckend. Was wir allerdings vorfinden holt uns schnell auf den Boden der Tatsachen zurück. Um die Schlucht herum wurde ein Freizeitpark gebaut mit Kartfahren, Wasserrutschen und allerhand Schnick und Schnack. Dafür muss aber auch ordentlich bezahlt werden und der Eintrittspreis von rund 30 Euro berechtigt dich dann die Wege zur Schlucht zu benutzen, die Aussichtsplattformen und die Brücke zu betreten. Alles weitere kostet extra... In die Schlucht selbst kann man sich mit einem Taxi fahren lassen, wenn man keine Lust hat zu wandern. Wir sind uns einig dass wir hier kein Geld ausgeben wollen.
Also Ihr seht schon, so gar nicht unser. Wir laufen das kleine Stück zu einer Kapelle die oberhalb auf einem Hügel liegt und auch einen tollen Blick in die Schlucht bietet.
Die mittelalterliche Kirche liegt auf dem Hochplateau von Zalka und bietet einen ruhigen, historischen Gegenpol zum Rummel um die Diamantbrücke. Noch heute dient die Kapelle der örtlichen Gemeinde als Gotteshaus.
Unser letzter Schlafplatz in Georgien liegt zwischen den Dörfern Tambovka und Aspara am Parawani-See, umgeben von der herrlichen Natur und einer Stille die fast greifbar ist. Hier stehen wir für drei Tage, arbeiten am Blog und am Videoschnitt und wälzen die schwere Frage Dubai Ja oder Nein. Nicht so einfach denn das Herz sagt Ja, der Kopf sagt Nein. Dazu die politische Lage die uns letztendlich den Traum von Dubai verschieben lässt.
Und mit diesem herrlichen letzten Sonnenuntergang geht auch unsere Zeit in Georgien zu Ende. Was danach kommt erzähl ich Euch im nächsten Blog ;0))
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