Armenien

Veröffentlicht am 17. Oktober 2026 um 15:44

Die Ausreise aus Georgien verlief reibungslos. Bei der Einreise nach Armenien muss ich die Grenze wieder als Fußgänger überqueren, während Thomas mit den Katzen wie gewohnt die Grenze passiert. In Armenien muss eine Art Straßengebühr entrichtet werden die direkt bei der Einreise zu zahlen ist. Da der Grenzbeamte kein Englisch spricht ist Thomas beinahe am verzweifeln bis diese Gebühr dann endlich entrichtet ist und wir weiter können. Da man als Ausländer eine armenische Auto-Haftpflicht Versicherung haben muss, schließen wir eine solche für 40 Tage und 30 Euro ab. Inzwischen ist es 18.30 Uhr, wir sind am verhungern und das Internet funktioniert überhaupt nicht. Na das kann ja heiter werden...                          In einem Supermarkt kaufen wir ein Brot und ein Stück Käse für umgerechnet nicht mal 2,50 € ein, und machen anschließend auf die Suche nach einem Schlafplatz. Für die erste Nacht stehen wir am Straßenrand außerhalb von Torosgyugh erfreuen uns noch am herrlichen Blick auf die Berge, und fallen hundemüde nach diesem langen , anstrengenden Tag ins Bett.  Am nächsten Morgen gilt es Bargeld zu holen, wofür man in Armenien einen großen Geldbeutel braucht denn 1€ entspricht 424,20 Armenischen Dram. In Gjumri also füllen wir nicht nur die Börse sondern gehen auch einkaufen und versorgen uns mit frischem Obst und Gemüse. Im Supermarkt staunen wir nicht schlecht als wir die gefrorenen Hühnerteilchen ohne Verpackung entdecken, genauso verschiedene Arten von Teigtaschen und unsere geliebten Kinkali. Eine freundliche Verkäuferin ( wir verständigen und mit Hand und Fuß ) bedient uns und packt Kinkali und Huhn in Tüten und versieht alles mit einem Preiskleber. Wir schauen uns nur an und schmunzeln, die Art des offenen Verkaufs von Frischfleisch wäre in Deutschland undenkbar. 

Andre Länder, andre Sitten.

 

Auf dem ehemaligen Campus der Polytechnischen Universität steht der 1982  vom sowjetisch-armenischen Architekten Artur Tarchanjan erbaute "Eiserne Brunnen". Er gilt als inoffizielles Symbol für Überlebenswille und Unbeugsamkeit der Stadt, da er als einziges Bauwerk dem verheerenden Erdbeben im Jahr 1988 standhielt. Das Beben zerstörte den Großteil von Gjumri sowie die Universitätsgebäude fast vollständig.                                                                                                                Nachdem wir die hierlebende Hundebande gefüttert haben und der Tag auch schon wieder weit vorangeschritten ist, machen wir uns auf die Suche nach einem Platz für die Nacht. Inzwischen hat sich auch unsere E-Sim mit dem vorhandenen Netz verbunden, und wir können wie gewohnt über Park4Night etwas finden. Ein Stellplatz oberhalb der Stadt Dilidschan mit Blick auf eben jene. Leider zeigt Google Maps nicht an wie eng die Straßen durch die Dörfer sind und so wird auch diese Fahrt sehr abenteuerlich. Immer im Blick die tiefhängenden Leitungen und die Balkone, damit wir auf keinen Fall hängen bleiben und etwas kaputt machen. Der Stellplatz ist solange es hell ist auch ganz nett, bei Nacht jedoch kommen die Disco-Besucher auf einen letzten Absacker hierherauf und veranstalten ein Riesenspektakel. Einer dieser Spaßvögel will uns mit seiner Huperei aus der Reserve locken aber da sind wir völlig schmerzfrei. Vanlifer eben ;0)) 

Am folgenden Tag wache ich mit heftigen Magenschmerzen und Übelkeit auf die einfach nicht verschwinden wollen, daher beschließen wir an den Sevansee zu fahren wo ich mich dann in Ruhe auskurieren kann. Doch leider wird daraus nichts. Alle Wege die Thomas raussucht um an das Seeufer zu gelangen sind für unseren Bruno einfach zu eng, oder die Bäume und Sträucher hängen zu tief sodass wir nicht durchpassen. Irgendwann am späten Nachmittag gelangen wir an den Sevansee und ich kann endlich ins Bett. Auch am nächsten Tag bleiben wir stehen und legen einen Gammeltag ein. Thomas angelt (glücklos), ich liege im flach und höre ein Hörbuch. Auch die Katzen verbringen den Tag draußen und sind froh über die Fahrpause. Meine liebe Freundin Yvi hat uns eine Reiseapotheke zusammengestellt und mit Hilfe von zwei Tbl. Buscopan sind auch meine Bauchschmerzen bald vergessen. Der nächste Tag steht im Zeichen der Kreuzsteine und dem Kloster Hayravan.

Die armenischen Kreuzsteine Khachkar sind kunstvoll gemeißelte, einzigartige Gedächtnissteine aus Tuff- oder Basaltstein. Sie sind eines der prägendsten Symbole der armenischen Kultur. Das zentrale Kreuz steht im armenischen Glauben nicht für das Leiden Christi, sondern vor allem für den Baum des Lebens und die Auferstehung. Unter dem Kreuz befindet sich oft ein Kreis oder eine Rosette die die Ewigkeit der Erde oder das Universum symbolisiert. Die Rähmen und Hintergründe sind mit extrem feinen , spitzenartigen Mustern überzogen. Kreuzsteine wurden ab dem 9. Jahrhundert errichtet und heute existieren noch geschätzte 50.000 Steine von denen keiner dem anderen gleicht.

Das aus dem 9. Jahrhundert stammende Koster Hayravank liegt auf einer markanten Klippe am westlichen Ufer des Sewansee. Die Hauptkirche, der älteste Teil der Anlage wurde aus dunklem Basaltstein errichtet und besitzt einen  kreuzförmigen Grundriss. Im 12. oder 13. Jahrhundert wurde an die Westseite eine quadratische Vorhalle (Gavit) angebaut, die deutlich größer ist als die eigentliche Kirche und heute den Haupteingang bildet. Die Klosteranlage ist von einem kleinen Friedhof umgeben auf dem Kreuzsteine zu bewundern sind. Gegenüber dem völlig überlaufenen Kloster Sevanavank ist Hayravank ein Ort der Ruhe und Besinnlichkeit und hat auch eine eigene Legende...
 
Die Legende von den Tauben-Menschen
 
Im Jahr 1381 während der verheerenden Invasion durch den mongolischen Eroberer Tamerlan (Timur Lenk), lebte im Kloster der Abt Hovhan. Als die Truppen Tamerlans die Region Geghakunik erreichten und die Dörfer zerstörten und mordeten, flohen Tausende Bewohner in das dortige Kloster um Schutz zu finden. Der Abt wollte das Massaker an seinen Leuten nicht mit ansehen und stürzte sich von den Klippen in den Sevansee. Gott rettete ihn und ließ ihn auf wundersame Weise über das Wasser laufen. Tamerlan war von diesem göttlichen Zeichen tief beeindruckt und gewährte dem Abt einen Wunsch. Vater Hovhan bat darum all jene Menschen zu verschonen, die in das Kirchengebäude passen. Tamerlan stimmte zu, da das Gebäude viel zu klein für die riesige Menschenmenge war. Sobald die Menschen das Innere der Kirche betraten, verwandelte Vater Hovhan sie mithilfe eines Relikts des wahren Kreuzes Christi in weiße Tauben. So passten alle Menschen hinein und flogen als Tauben durch die Fenster in die Freiheit.
 

Während wir noch die am betrachten der Bilder und der Steinmetz-Arbeiten sind stellt sich eine junge Frau vor den Altar und fängt an zu singen. Plötzlich wird alles noch ruhiger als zuvor und jeder in der Kirche wird andächtig und lauscht dem Gesang. Das war eine Gänsehautstimmung und einfach wunderschön. Später spreche ich die Sängerin an, bedanke mich bei ihr für diesen Moment und versichere ihr wie schön und ergreifend sie gesungen hat. Sie freut sich riesig über das Kompliment und so unterhalten wir uns noch ein wenig bevor es für uns weiter geht. Wir wollen noch eine Karawanserei besuchen die rund 70 Kilometer entfernt in den Bergen liegt. Es handelt sich dabei um die am besten erhaltenen mittelalterliche Herberge Armeniens.

Die Orbelian-Karawanserei oder auch Selim-Karawanserei liegt auf etwa 2410 Metern Höhe am Vardenyats-Pass früher Selim-Pass. Dieser Pass verband das südliche Armenien mit dem Sewansee-Becken und war ein wichtiger Abschnitt der alten Handelsrute. Erbaut vom Prinz Chesar Orbelian und seinen Brüdern aus dem adligen Geschlecht der Orbelianer, diente die Herberge Händlern, Reisenden und deren Lasttieren als Zufluchtsort vor dem rauen Bergwetter und vor Räubern.

Vor dem dreischiffigen Gebäude fallen die detailreichen Reliefs am Eingang ins Auge, ein in den Stein gemeißeltes Fabelwesen zeigt den geflügelten Stier und Greif, Symbol der Orbelianer.  Im Inneren gelangt man in die höhlenartige Haupthalle die zur Unterbringung der Tiere diente, während die Menschen in separaten Nischen entlang der Seitenschiffe untergebracht wurden. Die runden Deckenöffnungen sorgten und sorgen für spärliches Tageslicht und frische Luft und dienten zudem noch als Rauchabzug der Kochfeuer.

Auf dem Platz vor der Karawanserei hat ein Bauernehepaar einen Stand aufgebaut wo sie eingelegtes Gemüse, Tee und diese leckeren Geleestangen mit Walnüssen verkaufen. Die Frau erklärt mit dass sie alles selbst gemacht hat und natürlich kaufen wir hier etwas ein. 

Um unseren ausgesuchten Schlafplatz zu erreichen müssen wir eine zuerst sehr gute Bergstraße nach oben fahren, die abrupt endet und in eine enge Schotterstraße übergeht. Hoch über Grishnik mit einem atemberaubenden Panorama lassen wir den Tag bei einem ausgiebigen Spaziergang mit den Katzen ausklingen.

Es sind diese Bilder und Eindrücke bei denen ich mit immer denke: "Das Leben ist zu kurz für später"!                                  Die Nacht ist furchtbar stürmisch und ein heftiges Gewitter entlädt sich über uns. Ich bekomme kein Auge zu und hab sogar richtig Angst (vor was? kein Ahnung ;0) ). Der nächste Tag steht im Zeichen des Wassers. Wir fahren nach Jermuk um die berühmte Trinkhalle zu besuchen. Doch zuvor putze ich mit leicht bekleidet die Zähne in freier Natur und genieße den Ausblick nicht ahnend dass ich beobachtet werde. Zwei Jäger stehen oberhalb mit ihrem Jeep und amüsieren sich wahrscheinlich über die alte Frau. Als ich die zwei entdecke muss ich herzhaft lachen, winke den beiden zu und verschwinde im inneren von Bruno. Kurze Zeit später hält das Auto bei uns an und ich gehe inzwischen angezogen hinaus. Mit Händen und Füßen unterhalten wir uns, und ich erfahre dass die beiden auf Wachteljagt sind. Was für ein Spaß am frühen Morgen...

Jermuk ( Dschermuk gesprochen ) wurde zu Sowjetzeiten wegen der vielen Thermalquellen zu einem bekannten Kurort ausgebaut . Das Herzstück bildet die weltbekannte Mineralwasser Trinkhalle die 1956 von Gevorg Tamanyan erbaut wurde. Entlang der Wände sprudelt das natürliche Mineralwasser aus den Rohren direkt in die Steinbecken. Jede Quelle hat eine andere Temperatur die von 30C° bis hin zu heißen 53 C° reicht. Den verschiedenen Quellen werden unterschiedliche therapeutische Wirkungen nachgesagt. Das Wasser ist reich an Natrium, Calcium und Chlor und wird traditionell bei Stoffwechselstörungen, Magen-Darm-Erkrankungen sowie zur allgemeinen Regeneration eingesetzt. Der Zugang zur Trinkhalle und die Verkostung des Wassers ist kostenlos.

Durch den hohen Mineralgehalt schmeckt das Wasser besonders je wärmer es wird  leicht salzig und schwefelig... Bäääh

Nach einem Spaziergang durch den Park und einer Stärkung in Form von Softeis sind wir bereit die Höllentreppe hinunter zum Jermuk-Wasserfall zu steigen. Die alte, steile Metalltreppe liegt hinter dem Jermuk Hotel und führt hinab in die Arpa-Schlucht. Doch Achtung, diese Treppe ist nichts für schwache Nerven.

Unten angekommen geht es auf einem gut befestigten Weg weiter zum Jermuk-Wasserfall oder auch zum Haar der Meerjungfrau.

Links und Rechts vom Wasserfall gibt es die üblichen Futterstationen und Souvenirshops . Wir gehen über die Treppe zurück nach oben, holen am ATM noch Bargeld und gehen zurück zu Bruno, der in bester Gesellschaft etwas außerhalb steht.

Am Kechut-Stausee, unweit von Jermuk liegt unser Platz für das Wochenende.

Mit diesem schönen Blick auf den See verbringen wir das extrem stürmische Wochenende. Schreiben und schneiden und in den kurzen Pausen wenn der Wind nachlässt gehen wir mit den Katzen raus, bis eine Hundebande ankommt und einer davon bei uns liegen bleibt. Schlecht für die Katzen, gut für die Hundemama die ordentlich gefüttert wird. Erst am Dienstagmorgen machen wir uns wieder auf die Reise und diesmal soll das Ziel das alte Kloster Tatev sein.

Das im 9. Jahrhundert errichtete Kloster Tatev liegt auf einem steilen Balsaltplateau am Rande der Vorotan-Schlucht im Süden Armeniens. Über Jahrhunderte hinweg galt es als geistliches Zentrum und eine der einflussreichsten Universitäten des Mittelalters. Im 14. und 15. Jahrhundert wirkten hier bedeutende Gelehrte wie Grigor Tatevatsi in den Bereichen der Wissenschaft, Buchmalerei, Philosophie und Religion.

Das zwischen 895 und 906 erbaute Hauptgebäude St. Peter und Paul besteht aus massiven Steinmauern und der typisch armenischen Kuppelarchitektur.

Die schwankende Säule (Gavazan) ist eine 8 Meter hohe freistehende Steinsäule aus dem 10. Jahrhundert. Dank eines ausgeklügelten Scharniersystems im Fundament geriet die Säule bei Erdbeben oder heran reitenden Truppen in Schwingung und war somit ein mittelalterliches Frühwarnsystem.

Rund um das Kloster Tatev und seine dramatische Lage über der Vorotan-Schlucht ranken sich erzählenswerte Mythen. So die Legende des fliegenden Baumeisters.

Nach der Fertigstellung der Hauptkirche St. Peter und Paul stieg der junge Steinmetzmeister auf die Spitze des höchsten Turms um das Kreuz anzubringen. Als er die gewaltige Schlucht unter sich sah und die Schönheit des Bauwerks realisierte, bat er Gott um Flügel um das Werk unverletzt zu verlassen. Er rief auf Armenisch " Ta Tev !" (Gib Flügel). Der Sage nach schenkte Gott ihm Flügel, woraufhin der Meister unbeschadet über die Schlucht davonflog.

Eine düstere Variante erzählt hingegen, dass der Lehrmeister des jungen Baumeisters aus Neid die Leiter umwarf, woraufhin der junge Mann in die Tiefe stürzte und im Fallen rief "Ta Tev ".

Egal welche Variante besser gefällt, so kam das Kloster zu seinem Namen.

Gegenüber dem Kloster hoch oben in den Bergen übernachten wir. Hier duftet alles nach wildem Thymian und Kräutern und auch unsere Miezen fühlen sich hier richtig wohl. Der nächste Tag ist ein reines Kilometerreiten entlang der aserbaidschanischen Grenz bis hin zum iranischen Grenzfluss Aras und der iranischen Grenze. 

Obwohl es ein reiner Fahrtag ist entschädigt die wunderschöne Landschaft , und so arbeitet sich Bruno die Bergstraßen hinauf und wieder hinunter in schöner Regelmäßigkeit. Wir erreichen den Fluss Aras der als Grenzfluss zum Iran gilt und hier sprechen wir aus was eigentlich für jeden von uns klar war... Wir canceln das Vorhaben Weihnachten in Dubai zu verbringen. So genießen wir den Blick in den Iran von sicherer Seite aus, und machen uns dann wieder auf den Weg. Den Schlafplatz finden wir am Tashtun Pass neben einem geschlossenen Cafe . Der Platz ist nichts besonderes aber wir können beobachten wie die Wolken praktisch vom Berg herabfallen.

Auch der nächste Tag ist ein Fahrtag an dem sich unser treue Bruno durch die Berge kämpfen muss. Immer neu Passstraßen führen uns auf rund 2400 Meter in die Höhe und natürlich auch wieder runter. Ziel des Tages ist ein Stellplatz mit Blick auf den Berg Ararat, den wir allerdings erst einen Tag später erreichen.  Aber dann sind wir endlich am Kloster Chor Virap angekommen das malerisch vor dem Berg Ararat liegt.

Das Kloster Chor Virap bedeutet auf Armenisch soviel wie  "tiefes Verlies" und liegt rund 40 Kilometer von Jerewan entfernt direkt an der geschlossenen türkischen Grenze. Der Ort ist eng mit der Christianisierung Armeniens verbunden und begründet sich auf folgender Begebenheit... Ende des 3. Jahrhunderts ließ der heidnische König Trdat III. den christlichen Prediger Gregor in eine tiefe von Schlangen bewohnte Erdhöhle werfen. Von einer mitleidigen Frau wurde Gregor mit Brot versorgt und konnte so  13 Jahre überleben. Als der König schwer erkrankte befahl seine Schwester Gregor aus dem Verlies zu holen um den König zu heilen. Nach der Gesundung bekehrte sich Trdat zum Christentum und erklärte Armenien zum ersten offiziellen christlichen Staat der Welt. Datiert wird das Ganze auf 301 nach Christus.

Das Kloster liegt auf einem Hügel in der Ararat Ebene und von hier aus eröffnet sich der spektakuläre Blick auf den doppelgipfligen Berg Ararat. Er gilt als nationales Symbol der Armenier obwohl es sich heute um türkischem Staatsgebiet handelt.

Der heutige Klosteranlage stammt überwiegend aus dem 17. Jahrhundert mit der Hauptkirche Surb Astvatsatsin (Muttergotteskirche) im Zentrum. Das Verlies kann in der St. Gevorg Kapelle über eine steile Metallleiter die in die Originalhöhle hinab führt besichtigt werden.

Für uns geht es noch ein Stück weiter zum Azat Stausee wo wir die Nacht verbringen wollen. Wie sooo oft bei uns ist die Anfahrt sehr holprig , aber absolut empfehlenswert.

Man kann den Ararat im Dunst erkennen.

An diesem unsagbar schönen Platz, ein Paradies für Endurofahrer kommen wir am Nachmittag an. Wir stellen uns auf einen der vielen Hügel und nicht ans Ufer des Stausees, weil wir von hier oben eine unschlagbare Sicht haben. Auch die Katzen kommen auf ihre Kosten und können die Gegend erkunden. Bei Nacht fegt ein heftiger Wind über uns hinweg und schüttelt uns mächtig durch, aber ich habe trotzdem sehr gut geschlafen und berufe mich auf Aussagen von Thomas ;0)))  Am nächsten Morgen fahren wir weiter zum Tempel von Garni.

Der Tempel von Garni liegt rund 30 Kilometer östlich von Jerewan an einer steilen Schlucht des Flusses Asat. Erbaut wurde der Tempel im 1. Jahrhundert n. Chr. unter König Tiridates I. der die Mittel für den Bau vom römischen Kaiser Nero erhielt. Als Armenien im Jahr 301 n. Chr. als erstes Land der Welt das Christentum als Staatsreligion annahm, wurden fast alle heidnischen Heiligtümer zerstört. Garni überlebte nur deswegen weil die königliche Familie den Komü

Im Inneren des Tempels der klein und schlicht gestaltet ist, steht im hinteren Teil ein erhöhtes Podest, von dem Historiker ausgehen dass hier ursprünglich eine Statue des armenischen Sonnengottes Mihr stand. Der fensterlose Raum bezog einzig durch das große Eingangsportal Tageslicht. Die Wände sind im Gegensatz zu der reich verzierten Außenfassade schlicht und schmucklos. 

Obwohl das Gelände eher überschaubar ist, sind auch hier unmengen an Besuchern unterwegs. Wir nutzen die Gelegenheit um die Drohne fliegen zu lassen, und die freilebenden Katzen zu füttern.

Da das Wochenende vor der Tür steht, decken wir uns nach dem Tempelbesuch mit Lebensmitteln ein, füllen den Wassertank auf und fahren weiter in Richtung Geghadir . Mit Blick auf Jerewan beziehen wir unseren Platz fürs Wochenende. Da das Wetter herrlich sonnig ist waschen wir eine Ladung Wäsche und hänge diese direkt in die Sonne. Die Katzen lüften während wir Kaffee trinken und den Tag revue passieren lassen bis dann alles ganz schnell gehen muss. Gegen Spätnachmittag fängt es plötzlich dermaßen an zu winden, die Stühle und die Wäsche fliegt davon und ich hab meine liebe Mühe alles wieder einzufangen. Innerhalb weniger Augenblicke schlägt das Wetter um, und wir finden uns in einen Staubsturm wieder. Auch der Blick auf Jerewan ist weg und die Stadt verschwindet unter einer Dunst- oder Staubglocke. Wir haben auch für uns beschlossen die Großstadt Jerewan nicht zu besuchen. Über eine Instagramm Direktnachricht wurden wir von Armeniern aufmerksam gemacht, dass es kaum Parkplätze für Wohnmobile gibt, und auch dass der Verkehr mehr als chaotisch sei. Also umfahren wir am nächsten Morgen Jerewan und steuern das ROT 54 an.

Laut Google Maps ist das Radio Teleskop nur knapp 40 Kilometer entfernt und gut zu erreichen. Das letzte Stück ist allerdings eine sehr enge Straße und ich bin heilfroh das uns niemand entgegen kommt. Wir parken Bruno vor dem Eingangstor, bezahlen den Eintritt und gehen zu Fuß durch die Anlage.

Das ROT 54 oder auch Radio-Optisches Teleskop liegt am Südhang des Berges Aragaz im Westen Armeniens in der Nähe des Dorfes Orgov. Es gilt als ein faszinierendes Denkmal der sowjetischen Wissenschaftsgeschichte und Ingenieurskunst. Entworfen und realisiert vom armenischen Physiker Paris Herouni wurde die Anlage zwischen 1975 und 1985 in einer natürliche Senke am Berg gebaut.

Der gigantische sphärische Spiegel hat einen Durchmesser von 54 Metern und besteht aus rund 3600 präzise ausgerichteten Aluminiumplatten. Da die Schüssel fest im Boden verankert ist erfolgt die Ausrichtung über einen beweglichen Sekundärspiegel an einem sehr großen Ausleger. In der Mitte befindet sich zusätzlich ein optisches Teleskop mit einem Spiegeldurchmesser von 2,6 Metern. Dieses ermöglichte die simultane Beobachtung von Objekten im Radio- und im optischen Lichtspektrum.

Scotty beamen... man fühlt sich schon ein bisschen wie Scotty wenn man an den riesigen Schaltpulten sitzt, die Knöpfe drückt und dreht und dabei auf das Teleskop blicken kann.

Ab 1986 ging das Teleskop in den regulären Betrieb und zu den bedeutendsten Beobachtungen zählt z.B. die Explosion eines roten Riesen sowie Messungen zur Struktur ferner Galaxien. Das schwere Erdbeben von 1988 überstand die Station fast unbeschadet. Nach dem Zerfall der Sowjetunion fehlten dem Staat die finanziellen Mittel. Auch Forschungskooperationen konnten die Stilllegung nicht verhindern sodass 2012 der Betrieb endgültig eingestellt wurde. Heute ist es ein super spannender Lost Place und für Fotografen ein Sahnebonbon.

Leider gingen unsere gesamten Filmaufnahmen versehentlich verloren. ;0((((

Wir verbringen hier viel Zeit und entdecken auf dem weitläufigen Gelände noch so einiges zum Staunen...

Da auf dem Gelände das Fliegen mit der Drohne verboten ist, fahren wir auf die gegenüberliegende Seite des ROT 54 zu einer kleinen Kapelle. Auf dem Weg dorthin ( auch wieder eine enge Bergstraße ) kommen uns viele, wirklich viele teure Autos entgegen . Wir machen unsere Witze dass die Tochter des "Paten" wohl heute heiratet. An der Kapelle angekommen ist tatsächlich eine Hochzeit im Gange und der Parkplatz ist gefüllt mit noch mehr wunderschönen teuren Autos.

Die historische Klosteranlage des Kloster Tegher stammt aus dem frühen 13. Jahrhundert und gehört zu den wenigen religiösen Stätten die die verheerende Mongoleninvasionen weitgehend unbeschadet überstanden haben. Leider sind auch die Aufnahmen von den herrlichen Kreuzsteinen und der Kapelle selbst gelöscht. Aber wir konnten von hier aus die Drohne starten und somit ein paar Eindrücke einfangen. Nach diesem Abenteuer hatten wir keine große Lust mehr auf Stellplatzsuche und haben uns einfach in Grenznähe einen Übernachtungsplatz an der Straße gesucht, und sind am nächsten Morgen über die Grenze nach Georgien und in die Türkei. Aber das erzähl ich im nächsten Blog.

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