Albanien

Veröffentlicht am 6. Juni 2026 um 10:31

Nach einem schnellen Grenzübertritt von Kroatien nach Montenegro, durchqueren wir in nur vier Stunden das Land um dann genauso schnell über die Grenze nach Albanien zu gelangen. Von Freunden haben wir von der Schönheit des Landes gehört, und wollen diese nun selbst entdecken. Über Park4Night finden wir einen Platz am Shkodra-See unweit von Shkodra selbst.

Hier treffen wir das erste Mal auf Reisende die in den vergangenen Monaten die arabische Halbinsel bereist haben, und auch den Schrecken des Krieges miterlebt haben. Wir bekommen nützliche Informationen von den beiden, die wir auf unserer weitern Reise gut brauchen können. Für die Katzen ist dieser Platz auch ein kleines Paradies, das zumindest von Fienchen ausgiebig erforscht werden muss. In ganz Albanien ist der Goldschakal verbreitet und gehört neben Wölfen und Bären zu den etablierten Raubtierarten. Und genau diese Goldschakale hören wir bei Nacht heulen. Zuerst dachten wir an Straßenhunde die es in Albanien zu Hauf gibt, aber es sind tatsächlich Schakale. Nach einer kurzen Recherche wissen wir das die Goldschakale die ungestörten Gebiete um große Seen wie Z.B. der Shkodra-See und den Ohridsee als Lebensraum nutzen, jedoch Begegnungen mit Menschen konsequent aus dem Weg gehen. Von diesem Moment sind die alleinigen  Erkundungstouren für Fienchen gestrichen ;0))  . Am nächsten Tag bekommen wir italienische Nachbarn mit denen wir am Abend gemeinsam am Lagerfeuer sitzen, und unsere (extremschlechte ) Englischkenntnisse unter Beweis stellen. Aber erstaunlicher Weise können wir uns doch ganz gut unterhalten. Auch die zwei leben im Auto und bereisen die Welt , und so hat jeder einiges zu erzählen.

Wir wollen den Nationalpark Valbonatal besuchen und wandern gehen, aber wie so oft kommt alles anders. Die Straßenverhältnisse zu diesem Park sind unglaublich schlecht, dazu kommt eine für diese Strecke wirklich verantwortungslose Fahrweise der Albaner, sodass wir beschließen umzukehren bevor unser Bruno Schaden nimmt. Stattdessen fahren wir nach Shkodra und besuchen die Festungsanlage.

Das Herzstück der Stadt Shkodra ist die Festung Rozafa die auf einem steilen Felshügel etwa 130 Meter über dem Meeresspiegel liegt. Umgeben von den Flüssen Buna, Drin und Kir war diese strategische Festung über Jahrtausende hinweg fast uneinnehmbar. Der Zugang zur Burg führt durch mehrere Tore und eine wuchtige Außenmauer. Das innenliegende Gebiet umfasst drei Höfe, die durch gesichert Mauern voneinander getrennt waren. Mit Ausnahme der nach wie vor soliden Befestigungsmauer sind die meisten Gebäude der Burg zerstört, so auch die Kirchenmoschee St. Stephan.

Und wie es sich für ein so altes Gemäuer gehört, gibt es auch hier eine Legende dazu. Also ...

Der Legende nach bauten drei Brüder die Burg. Ihre Bemühungen waren aber umsonst, da die Mauern jede Nacht wieder einstürzten. Ein alter Mann riet ihnen, eine Frau einzumauern, dann würden die Mauern für immer halten. Die drei Brüder vereinbarten, diejenigen ihrer Ehefrauen zu opfern welche am nächsten Tag als erste das Mittagessen bringen würde. Die beiden älteren Brüder weihten ihre Ehefrauen entgegen der Abmachung in den Plan ein, und so war es die junge Rozafa die am nächsten Tag als erstes am Bauplatz erschien. Sie nahm ich Schicksal hin, bat aber darum, dass man eine ihrer Brüste, einen Arm und ein Bein nicht einmauern sollte. So konnte sie weiterhin ihrem kleinen Kind die Brust geben, es streicheln und mit dem Bein die Wiege schaukeln. 

Zurück an Bruno fahren wir einen freien Campingplatz an , oder besser eine große Wiese auf der das Campen offiziell erlaubt ist. Und auch hier hören wir bei Nacht die Schakale heulen, und was uns besonders freut ist, endlich Mal wieder Glühwürmchen zu sehen.

Auf unserer Reise durch Albanien sehen wir sehr oft wie nahe das Paradies am Elend liegt. Müllstraßen inmitten der herrlichsten Natur, Armut neben großen Konsumtempeln. 

Unser nächstes Ziel liegt an der Küste im Kreis Lezha , dort soll es einen Lost-Place geben, der lt. Google Rezessionen interessant sein soll. Also verlassen wir diesen schönen Ort und fahren ans Meer. Der Lost-Place entpuppt sich allerdings als große Enttäuschung. Ein leerstehendes, nicht vollendetes Hotelgebäude am Strand soll das Highlight darstellen. Na wenigstens bietet es Unterkunft für einen Obdachlosen mit seinem Hund, weswegen wir das Gebäude auch nicht betreten. An diesem Küstenstreifen wird mächtig gebaut. Ein Hotel am anderen ist am Entstehen und irgendwie sieht alles hier wie eine große Baustelle aus. Der Strand jedoch ist sehr schön und das Wasser einfach herrlich.

Übernachten wollen wir hier allerdings nicht und fahren nach einem gemütlichen Kaffee weiter. Ein gutes Stück weiter entlang der Küste finden wir einen Stellplatz am Strand, der auch den Katzen gut gefällt. Wer jetzt denkt, ja klar , großes Katzenklo... Nein , keine Sorge, unsere Miezen erledigen ihr Geschäft ausschließlich zu Hause . ;0)))

Nach einem herrlichen, langen Strandspaziergang bei dem wir eine tote Meeresschildkröte sehen beschließen wir den Tag mit einem Feierabendbier (0,0%) , lüften noch ein wenig die Katzen und verschwinden rechtzeitig in Bruno bevor die Straßenhunde kommen. Am nächsten Morgen geht es für uns weiter nach Kruja um den alten Bazar und die Burg anzuschauen. 

Auf dem Weg zur Burg läuft man automatisch durch den Basar aus dem 19. Jahrhundert. Entlang der kopfsteingepflasterten Gasse, geht es an restaurierten Holzhäusern steil hinauf zur Burg. Im Basar werden traditionell gewebte Teppiche, albanische Filzhüte und Hausschuhe, antike Silberwaren und Kupferarbeiten angeboten. Natürlich auch Olivenöl und lokaler Honig neben so manchem typischen Touristen-Souvenir.

Die Ruinen der mittelalterlichen Festung sind das Wahrzeichen der Stadt und war im 15. Jahrhundert das Zentrum des Widerstands gegen das Osmanische Reich. Der Nationalheld Gjergj Kastrioti bekannt als Skanderberg schlug von hier aus mit seinen Truppen die zahlenmäßig weit überlegenen osmanischen Armeen über Jahrzehnte hinweg zurück. Erst nach Skanderbergs Tod konnte die Festung von den Osmanen eingenommen werden.

Zurück am Parkplatz, übrigens der einzige in Kruja der für große Fahrzeuge Platz hat sind wir doch froh wieder aus dem Getümmel heraus zu kommen. Auf dem Weg zu Bruno waren wir in einem kleinen Lebensmittelshop das nötigste einkaufen, und wundern uns über die extrem hohen Preise. Wir sehen ja überall dass die Bevölkerung nicht zur Oberschicht gehört und können diese Bilder nicht mit den Preisen unter einen Hut bekommen. Vielleicht sind wir immer in der falschen Läden unterwegs ;0(  . Unser Nachtlager schlagen wir in freier Natur und der Weg dorthin ist wie so oft abenteuerlich...

Nach einer ruhigen Nacht geht es weiter zum Ohridsee, der als ältester See Europas gilt.

Der See existiert seit geschätzten 1,4 bis 3 Millionen Jahren und gehört zum UNESCO-Welterbe. Er liegt auf der Grenze zwischen Nordmazedonien und Albanien. Die maximale Wassertiefe wurde mit 288 Metern gemessen, und in diesen Fluten leben mehr als 200 endemische Arten, die nur hier vorkommen wie z.B. die berühmte Ohridforelle. Die beste Sicht auf den See hat man weit oberhalb auf einem Parkplatz der als Viewpoint deklariert ist. Hier lüften wir die Katzen und Thomas lässt währenddessen die Drohne in die Luft. Ein wirklich atemberaubendes Drohnenvideo kommt hierbei zustande. Was wir nicht bedacht haben, ist der rote, lehmige Boden, der die weißen Pfoten unserer Miezen tiefrot einfärbt. Na Dankeschön...

Beim Tanken erfahren wir vom Tankwart dass die Preise in Albanien die letzten zwei Jahre explodieren und die einfache Bevölkerung sich diese Entwicklung nicht leisten kann. Umso mehr findet das handeln und tauschen oder einfach die Nachbarschaftshilfe untereinander statt.                                                                                                                                        Weiter geht die Fahrt durch die herrliche Landschaft Albaniens auf Straßen, die ein Abenteuer für sich sind.

 

Wenn jedoch ein solches Gefährt vor uns fährt, beruhigt sich auch mein Pulsschlag. In Korçë stehen wir mutterseelenallein an einem See, nur das gebimmel einer Schafherde am gegenüberliegenden Berghang leistet uns Gesellschaft.

Wir sind auch weit genug entfernt von der Straße sodass die Katzen ohne Bedenken springen dürfen. Olli noch immer an der Leine die ihn allerdings nicht vom klettern abhält, oder vom unter die Büsche kriechen hindert, das ist dann eher mein Problem ;0))   Die Nacht ist abgesehen vom Konzert der Frösche und Kröten sehr ruhig und erholsam. Am frühen Morgen setzt der angekündigte Regen ein, und wir fahren noch vor dem ersten Morgenkaffee auf den besser befestigten Weg zurück. 

Wir sind total begeistert von der Natur und auch von den vielen Schaf- und Ziegenherden die wir immer wieder sehen.

Für den heutigen Tag haben wir uns vorgenommen die Osum-Schlucht die in der Nähe von Berat liegt zu besuchen. Soweit so gut, aber wie so oft haben wir die Rechnung ohne den Wirt, oder wie in unserem Fall ohne Google-Maps gemacht. In Albanien kommt es sehr oft vor dass ein besserer Ziegenpfad als Straße angegeben ist. So auch dieses Mal, denn plötzlich endet die enge Straße die durch ein Dorf führt, und wird zu einem nicht fahrbaren Weg. Wir haben uns noch gewundert warum ein Dorfbewohner uns Zeichen gibt, naja das war dann schnell geklärt. Leider ist das der einzige Weg von unserem Standort aus, um die Osum-Schlucht zu erreichen... Ergo... Planänderung, schon wieder. Also zurück auf die Hauptstraße und nach einem Platz für die Nacht schauen.

Direkt neben dem Fluss Vjosa der übrigens in Griechenland entspringt, Albanien durchfließt und in Kroatien in die Adria mündet, finden wir unser Plätzchen für die Nacht. Die Wegstrecke runter zum Fluss ist, wie soll es auch anders sein, abenteuerlich. 

Das türkisblaue Wasser verlockt zum Baden gehen, aber die Temperatur spricht eine andere Sprache ;0)) . So trinken wir gemütlich Kaffee und lüften die Miezen. Am Abend kommen zwei Angler vorbei die aber irgendwie keine Ahnung vom Angeln haben. Thomas gibt den beiden einen Crashkurs den die zwei dankbar annehmen. Gefangen haben sie aber trotzdem nichts.                                                                                                                                                                                            Leider sind heftige Regenfälle für die kommenden Tage angesagt, und wir müssen uns überlegen wo wir den Regen und das Wochenende aussitzen wollen. Unsere erste Anlaufstelle ist das "Blue Eye" eine Karstquelle die etwa 20 km von Saranda entfernt ist. Die eiskalte Quelle sprudelt aus einer Tiefe von über 50 Metern an die Oberfläche und erzeugt dadurch ein tolles Farbspiel, ähnlich unserem Blautopf in der alten Heimat. Auf dem großen Parkplatz angekommen verteile ich erstmal einen Sack Trockenfutter an die Straßenhunde bevor der große Regen losgeht. Als der endlich nachlässt wollen wir uns das blaue Auge anschauen. Zuvor bringe ich noch den Müll weg, und dann passiert es... Zwei der Straßenhunde die ich gefüttert habe fallen mich an und einer beißt zu. Ich weiß überhaupt nicht was hier geschieht und wäre Thomas nicht so schnell bei mit gewesen, wäre das bestimmt für mich schlecht ausgegangen. So ziert meine seitliche Wade ein Hundebiss und ein ordentliches Hämatom . Das meine Lust an der Karstquelle vergangen ist muss ich nicht erwähnen. 

Thomas kommt nach einem kurzen Ausflug schnell wieder zurück mit den Worten : " Hast nichts verpasst".  Nein, wir sind keine Banausen die Naturschauspiele nicht zu würdigen wissen, aber das hat uns nicht vom Hocker gehauen. Aber jedem das seine. Die Nacht verbringen wir auf dem Parkplatz und müssen am Morgen den Wochenendtarif bezahlen. Für uns geht es weiter nach Butrint, wo wir die Ausgrabungen besichtigen wollen.

Mit der Fähre geht´s über den Kanali i Vivarit an dessen Ufer wir den Sonntag verbringen. Zum Wochenanfang lassen wir Bruno stehen, nehmen die Fähre auf die andere Seite und erobern Butrint.

Butrint, ein archäologisches Juwel in Albanien das seit 1992 zum UNESCO- Weltkulturerbe gehört und das über 2500 Jahre lang kontinuierlich besiedelt war. Kein Wunder dass man durch die Schichten der Zeit wandert. Gegründet wurde Butrint in der griechischen Antike ca. im 6. Jahrhundert v. Chr.  .  Julius Cäsar ( 2. Jahrhundert v. Chr. ) ernannte Butrint zur Kolonie, und Kaiser Augustus baute sie massiv aus.  Dabei entstanden das Aquädukt, Thermen und Prachtvillen. Später wurde die Stadt Bischofssitz, von den Normannen umkämpft und schließlich von den Venezianern als Stützpunkt befestigt.

Das antike Theater aus dem 3. Jahrhundert v. Chr. bot Platz für rund 2500 Zuschauer.

Die große Basilika ist eine frühchristliche Kirche aus der byzantinischen Zeit, deren hohe Mauern und Bögen erstaunlich gut erhalten sind.

Das Baptisterium ( Taufkapelle ) aus dem 6. Jahrhundert n. Chr. ist mit einem riesigen Farbmosaik aus 69 Medaillons verziert , die Tiere und christliche Symbole zeigen. zum Schutz vor der Witterung ist das Mosaik jedoch mit Sand abgedeckt und wird nur selten freigelegt.

Die venezianische Akropolis thront auf dem höchsten Punkt des Hügels, und beherbergt heute ein kleines Museum mit Ausstellungsstücken der wichtigsten Funde wie z.B. Statuen römischer Kaiser.

Zurück über den Fluss zu Bruno und den Katzen, geht es für uns weiter zur Grenze nach Konispol. Unterwegs rettet Thomas eine Schildkröte , pflückt diese von der Straße und setzt sie ins sichere Grün. Bei unserem Mittagessen Stopp geben wir einem Schweizer Ehepaar Starthilfe und erfahren auf diesem Wege, dass sie die Grenze nicht passieren durften wegen des Hundes den sie dabei haben. Anscheinend können die Grenzer den Chip nicht auslesen, den jede Fellnase haben muss. Wir bekommen den Tipp es trotzdem zu versuchen, denn der Hund saß sichtbar am Fenster, und beide sind der Meinung wäre  das nicht gewesen, wären sie durchgekommen. Also fordern wir das Glück heraus und haben Pech. Natürlich sind wir bei der Frag : "Haben Sie Tiere dabei " ehrlich, und müssen umdrehen. Dann fahren wir eben den Umweg von 66 Km nach Kakavia. Dort angekommen will keiner der Grenzbeamten den Pass der Katzen sehen, geschweige denn den Chip auslesen. Wir verstehen die Welt nicht mehr, aber was solls.... Wir sind in Griechenland.

Wie es hier weitergeht erzähl ich euch im nächsten Blog.

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