Nachdem wir in Algeciras alle Vorbereitungen beendet, die Tickets bei Carlos gekauft und die Drohne abgegeben haben, geht es auf die Fähre nach Tanger Med.
Eigentlich wollten wir über Ceuta einreisen wie im letzten Jahr auch, aber uns wurde dringend davon abgeraten da es mit unserem Feuerwehrauto Schwierigkeiten geben könnte. Angeblich würden wir Gefahr laufen nicht einreisen zu dürfen. Also Tanger Med ...
Im Hafen erleben wir ein kleines Chaos als wir in der Schlange stehen und darauf warten auf die Fähre auffahren zu können.
In dem Moment als das Boarding beginnt, wird eine Fähre entladen und eine weitere legt an. Also muss der Verkehr von drei Fähren irgendwie durchgewurschtelt werden. Aber die Jungs und Mädels haben alles gut im Griff, es sieht nur haarsträubend aus. Die Fähre selbst macht keinen sehr vertrauenserweckenden Eindruck , aber Augen zu und durch ;0)))
Nachdem die ersten Formalitäten an Bord erledigt werden, muss Bruno in Tanger Med durch den Scanner und sich durchleuchten lassen.
Während das geschieht warten wir mit den Katzen draußen. Bis wir alle Grenzstationen durchlaufen haben sind vom Moment des Einchecken bis zur Einreise Marokko sechs Stunden vergangen und wir haben erstmal genug. Unser erster Schlafplatz in Marokko ist völlig unspektakulär neben der Hauptstraße in Tetouan. Entlang der Küstenstraße fahren wir am nächsten Morgen nach Targha wo ich mich in einer Apotheke mit meinen Schilddrüsen - Medis eindecke, die hier in Marokko ohne Rezept erhältlich sind . Weiter geht es in die Berge mit atemberaubenden Panoramen während wir Kilometer reiten bis zum Schlafplatz . Der Wetterbericht hat Sturmböen angekündigt, die uns hier oben einholen und tüchtig durchschütteln. Aber das allein wäre nicht genug, zu allem Unglück funktioniert die E-Sim Karte von Thomas überhaupt nicht. Die bei Roommik gebuchte Unlimited E-Sim ist direkt am ersten Tag auf praktisch null gedrosselt und auch das Stimmungsbarometer hat den selben Stand erreicht. Nach ewigen hin und her können wir keine Lösung mit den zuständigen Mitarbeitern erreichen, und völlig erzürnt bucht Thomas eine weitere E-Sim bei einem anderen Anbieter.
Meine E-Sim ist von Holafly die ich mit gutem Gewissen empfehlen kann, denn ich habe keinerlei Probleme. Nach einer stürmischen Nacht führt uns der Weg wieder an die Küste wo der Sturm für mächtigen Wellengang sorgt.
Mit Windböen bis zu 70kmh ist das Meer ordentlich aufgewühlt und auch unser Bruno wird wackelt wie verrückt während wir Mittag machen. In Beni Chiker übernachten wir neben dem Kulturcafe, und der Weg dorthin ist wie so oft in diesem Land ein Abenteuer für sich.
Oben angekommen dürfen wir einen herrlichen Blick auf die Küste genießen, allerdings auch die Müllkippe des Dorfes bestaunen. Es gibt keine Müllabfuhr weswegen die Bewohner ihren Müll hier entweder direkt verbrennen oder einfach den Berg hinunter werfen. Durch den Sturm sieht man dann immer wieder fliegende Plastiktüten durch die Luft tanzen. Vielmehr gibt es hierzu nicht zu erzählen, und wir machen uns auf den Weg mit dem Ziel Melilla.
Melilla soll ein faszinierender Ort sein, der oft als " Brücke zwischen den Kontinenten" bezeichnet wird. Es ist eine der zwei spanischen Enklaven in Marokko die europäische Einflüsse mit Arabischen verbindet. Melilla liegt am östlichen Rand des Rif-Gebirges direkt am Mittelmeer.
So zumindest der Plan für den Tag, aber wie so oft kommt es anders als erwartet. Während der Fahrt ändert Google die Route und wir kommen weit hinter Melilla an die Küste, und auch der große Lebensmittelladen Marjane liegt hinter uns. Zurückfahren wollen wir nicht weil es einfach zu viel Zeit kaputt machen würden. So fahren wir weiter an die Marokkanische - Algerische Grenze.
Die Landesgrenze zwischen Marokko und Algerien ist seit 1994 geschlossen. Marokko machte die algerische Militärführung für einen Terroranschlag in Marrakesch verantwortlich und schloss die Grenze. Daraufhin brach Algerien die diplomatischen Beziehungen ab , und machte ebenfalls die Grenze dicht.
Auf marokkanischer Seite wird die Grenzschließung gefeiert, immer wieder kommen Menschen an hüllen sich in landesübliche rote Umhänge (man kann diese hier ausleihen ) und machen Fotos mit der Grenze im Rücken. Auch auf der anderen Seite halten immer wieder Autos an und Menschen machen Bilder . Es ist ein gegenseitiges Anstarren unter den Augen der Grenzpolizei. Seltsam...
Neben unserem Bruno steht ein PKW dessen Besitzer anfängt sein Auto aus zu räumen... Alles raus, alle Türen auf, und eine Menschentraube um das Fahrzeug herum. Verwundert schauen wir dem Treiben zu bis wir mitbekommen dass eine Babykatze sich in einem Hohlraum unter dem Auto versteckt hat und die Meute versucht das völlig verängstigte Tier hervor zu locken.
In einer kleinen Schüssel bringe ich dem Fahrer Katzenfutter und damit kann er das Kätzchen rausholen. Allerdings haben wir beide nicht mitbekommen was aus dem Tier wurde ;0(.
Für uns geht es weiter nach Oujda wo wir im Marjane einkaufen und auch die Nacht verbringen wollen. Laut Park4Night soll das hier kein Problem sein und der Parkplatz ist groß genug um niemandem im Weg zu stehen.
Um 23.30 allerdings klopft es an die Tür , und zwei junge Polizisten erklären uns wortreich auf arabisch dass wir hier nicht stehen bleiben dürfen. Ein belgischer Camper wird auch aus dem Schlaf geklopft und im Konvoi verlassen wir den Parkplatz. Die Polizei besteht darauf uns auf einen sicheren Platz zu führen, wo wir den Rest der Nacht verbringen dürfen.
Mitten in Oujda neben der Polizeistation auf einem riesigen, randvollen Stadtparkplatz verbringen wir die lautestes Nacht seit wir auf Reisen sind.
Nach diesem nächtlichen Erlebnis zieht es uns raus in die Natur bzw. in die Steinwüste um Oulad Sidi Abd el Hakem.
Hier mitten im Nirgendwo erholen wir uns ein wenig von der Nacht, lassen die Katzen lüften und sind einfach froh aus dem Trubel raus zu sein. Am Nachmittag bekommen wir Besuch von zwei Nomaden, einem Vater mit seinem Sohn die uns zuwinken und so plötzlich wie sie aufgetaucht sind , auch wieder verschwinden. Eine ganze Weile später kommt der Sohn noch einmal und bittet uns um Kleidung oder Schuhe. Das ihm angebotene Geld will er nicht haben, aber ein Paar stabile Stiefel von mir nimmt er dankend an.
Die Nacht ist so schön ruhig und wir schlafen alle vier wie Dornröschen. Auch die nächste Nacht verbringen wir in einer ähnlichen Kulisse auf unserem Weg nach Merzouga.
Auf unserem Weg nach Merzouga sehen wir auch endlich Kamele bzw. Dromedare.
Wenn ich von Merzouga schreibe, meine ich die Sanddünen von Merzouga denn unser Campingplatz ist in Hassilabied.
Haven la Chance Desert Hotel und Campingplatz direkt an den Sanddünen, ein Traum von Sand, Sonne und Weite.
Bevor wir jedoch unser Ziel erreichen haben wir eine seltsame Begegnung mit der Gendarmerie . Die Jungs stehen sehr oft an den Ortseingängen und überprüfen die Verkehrssünder, die bei irgendeiner Geschwindigkeitskontrolle gelasert wurden, im System gespeichert und bei der nächsten Kontrolle (wo auch immer man ihr begegnet) zu Kasse gebeten werden. Es ist ein völlig anderes System als bei uns, aber sehr effektiv. Auf jeden Fall sind bei unserer Kontrolle drei Gendarmen , der erste winkt uns weiter zu fahren (über die Stopp Stelle) , der zweite hält uns an, weil wir die Stopp Stelle überfahren haben und möchte gerne 140 MAD. Wir versuchen zu erklären dass der Kollege uns gewunken hat, worauf er nur meint "Respect the Rules". Eigentlich sind wir der Meinung genau dies zu tun, aber gut. Wir verlangen einen Beleg über die zu zahlende Summe, weil es unser erstes Knöllchen ist das wir gerne posten möchten. Darauf hin bespricht er sich mit seinen Kollegen, kommt lachend zurück mit unserem Geld und wünscht noch einen schönen Tag. Keine Strafe, kein Ticket, keine Ermahnung... was soll man davon halten. ;0)))
Die Erg Chebbi ist zweifellos eines der schönsten Postkartenmotive in Marokko. Es handelt sich um ein beeindruckendes gold-orangefarbenes Dünenmeer im Südosten des Landes, nahe der Grenze zu Algerien. Das Dünenfeld erstreckt sich über etwa 22 Kilometer und ist bis zu 7 Kilometer breit. Einige Dünen erreichen eine Höhe von bis zu 150 - 170 Metern.
Der Sand ist für seien warme, rötlich-orange Farbe bekannt, die sich je nach Sonnenstand von hellem Gelb bis hin zu tiefem Violett verfärbt.
Zum Sonnenaufgang oder Sonnenuntergang kann man die Kamelkarawanen beobachten, die man vor Ort buchen kann. Genauso die Quad-Touren oder Geländemotorräder .
Wir erobern die Dünen zu Fuß, was wirklich anstrengend ist, zumal wir uns die höchste ausgesucht haben.
Zu Fuß ist es nur ein kleiner Marsch von ca. 10 Minuten bis ins Dorf Hassilabied , wo man die Möglichkeit hat frisches Obst und Gemüse einzukaufen. Beim Schlachter gibt es frisches Huhn und Rind , je nachdem was geschlachtet wurde.
Natürlich hat es auch die Shops für Touristen mit allem möglichen Krims-Krams und traditionellen Kleidungsstücken, sowie Schmuck.
So verbringen wir drei herrliche Tage , gehen in den Dünen spazieren, treffen nette Menschen und lassen ein wenig die Seele baumeln.
Thomas hat über Google Maps eine Straße gefunden die hinter Merzouga in eine Piste übergeht, und in der Wüste endet. Er möchte gerne versuchen wie weit wir auf der Piste vorankommen, und das ganze einfach mal testen. Gesagt getan, wir fahren durch Merzouga, weiter nach Taouz, und kurze Zeit später endet der Asphalt und wir haben eine Rumpelpiste unter den Rädern die Ihresgleichen sucht. Wir werden derart durchgeschüttelt das es keinen Spaß mehr macht und nur noch nervt, weswegen wir umdrehen und dieses Abenteuer für beendet erklären.
Unseren Schlafplatz für die Nacht finden wir unweit von Rissani an einer Sanddüne wo wir den Nachmittag mit den Miezen draußen verbringen,
jedoch am Abend wieder vor an die Hauptstraße fahren, weil uns das Risiko zu groß ist bei dem angekündigten Regen stecken zu bleiben. Sicher ist sicher, und unweit der Straße ist das Bauchgefühl einfach besser.
Und dann kam der Regen... die ganze Nacht hindurch regnet es ohne Unterlass und wir sind froh auf befestigtem Boden zu stehen.
In Rissani soll es einen Überdachten Bauernmarkt geben wo wir unsere Obst und Gemüsevorräte auffüllen können, und den wollen wir besuchen. Vor der Markthalle finden wir leider keinen Parkplatz und folgen dem Navi das wir aus den Gassen wieder heraus finden. Und dann passiert es...
Auf einer engen Dorfstraße bleiben wir in einem Schlammloch stecken, und kommen von alleine nicht mehr heraus.
Wie sich später herausstellt wurden hier Bauarbeiten durchgeführt , und die Baugrube im Boden einfach zugeschüttet und nicht verdichtet.
Trotz strömenden Regen kam gefühlt das ganze Dorf zusammen und hat uns mit Rat und Tat zur Seite gestanden. Der erste Versuch uns mit einem SUV raus zu ziehen scheiterte, und trieb uns noch mehr an die Mauer und in Schieflage. Inzwischen wurde auch die Feuerwehr informiert, die uns leider nicht helfen konnte weil wir nicht verunfallt sind. Inzwischen wurden wir sehr herzlich mit Tee und köstlichem Gebäck bewirtet und einfach sehr freundlich aufgenommen. Ein Marokkaner hat uns sogar angeboten in seinem Haus zu Übernachten sollte die Aktion nicht zielführend sein. Soviel Gastfreundschaft zu erfahren ist einfach wundervoll.
Irgendwann kam dann auch die Gendarmerie mit drei Mann , die jedoch auch ein wenig Ratlos waren. Thomas hatte die zündende Idee und fragte einen der Gendarmen nach "Caterpillar"... Das war der richtige Gedanke, denn jetzt kam Schwung in die Rettungsaktion. Der Leiter der Gendarmengruppe telefonierte und kurze Zeit später kam eine schwere Baumaschine an. Während der ganzen Zeit hatte ich große Angst, dass die Lehmmauer bricht , und Bruno abstürzt , aber zum Glück hat sie gehalten.
Nach dieser Rettung haben wir die Kinder mit unseren Schokoladenvorräten versorgt, dem Fahrer der Baumaschine ein Trinkgeld von umgerechnet 20 Euro gegeben ( der war sehr glücklich ), und dem Besitzer der Maschinen mussten wir 100 Euro bezahlen.
Die Gendarmerie hat uns noch aus Rissani hinaus eskortiert und mit Winken und Abos auf unseren Kanälen verabschiedet.
An dieser Stelle nochmal "Vielen lieben Dank an alle die uns zu Seite standen".
Auf unserem weitern Weg nach Zagora kommen wir immer wieder an überfluteten Straßen vorbei, und sehen wie weite Teile des Landes unter Wasser stehen.
Viele Straßen sind gesperrt und nicht passierbar was uns dann auch zum Anhalten zwingt. In Alnif stehen wir auf einem großen Parkplatz unterhalb der Moschee. Hier können wir dann auch alles einkaufen, weswegen wir nach Rissani gefahren sind.
Ende gut, alles gut ;0)))
Unsere Reise geht weiter nach Zagora wo wir uns entschlossen haben eine weitere Blattfeder einbauen zu lassen.
Beim Einbiegen in die Straße der Autowerkstätten werden wir direkt angesprochen und die Männer sind sich schnell einig über den Preis. Und schon geht es los...
Mit einer Motivation und Freude an der Arbeit sind die Jungs wenig später dran die Reifen abzumontieren und sich an die Blattfedern vor zuarbeiten.
Aus einem Metallrohling wird unsere neue Blattfeder. Hierzu wird der Rohling über einen alten Motorblock gelegt und dann wird er mit viel Kraft in Form gehämmert. Das verlangt viel Erfahrung , Kraft und Können.
Mit vereinten Kräften und stellenweise acht Mann wird unter Bruno gearbeitet, und wir wundern uns wer bei dem Gewusel den Überblick behält. Sieben Stunden später ist alles erledigt und wir können los. Inzwischen ist es weit nach 23.00 Uhr und wir werden von einem der Werkstatt Jungs auf den Parkplatz der Moschee geführt, wo wir die Nacht verbringen. Ach Ja, bezahlt haben wir natürlich auch und zwar umgerechnet 380 Euro für zwei neue Blattfedern. Bruno ist jetzt deutlich höher und härter gefedert, und verhindert hoffentlich die Seekrankheit beim nächsten Sturm.
Während unseres Werkstattaufenthalts haben wir einen in Marokko lebenden Deutschen getroffen, der uns den Tipp gab in die Erg Chegaga zu fahren. Auch wenn wir kein 4x4 haben sei die Strecke von hinten genommen für uns befahrbar.
Die Erg Chegaga ist das größte Dünengebiet Marokkos und liegt im Südosten des Landes nahe der algerischen Grenze.
Das Sandmeer erstreckt sich über etwa 35 - 40 km Länge und 15 km Breite. Die Dünen erreichen Höhen bis zu 300 Meter.
Die Erg Chegaga ist im Norden durch das Gebirge Djebel Bani begrenzt, im Westen findet man den trockenen Salzsee Lac Iriqui, der Teil des Iriqui -Nationalpark ist .
Der Weg zum Salzsee ist eine einzige Rumpelpiste und wir werden ordentlich durchgeschüttelt. Auf unserem Weg begegnet wir einem Ziegenhirten der uns um Wasser bittet. Ich richte für ihn ein kleines Fresspacket und eine große Flasche Wasser zusammen, was er sehr dankbar entgegen nimmt.
Dieser kleine Fluss zwingt uns in die Knie, so unscheinbar er auch aussieht ist der Grund matschig und weich und für uns nicht passierbar.
Hier an diesem Fleckchen lüften wir die Katzen, trinken selbst einen Kaffee und beschließen zurück zu fahren da es für uns kein Durchkommen gibt. Außerdem sind für den Spätnachmittag Sturm mit Böen bis zu 70 kmh angesagt, was hier schnell zu einem Sandsturm anwachsen kann. Also zurück auf die Rumpelpiste und hier hat der heftige Wind schon ordentlich Sand auf die Piste geweht.
Und schon ist es passiert, wo bei der Herfahrt noch Piste war ist nun eine dicke Sandwehe und wir stecken fest...
Hilfe haben wir von dieser lustigen Truppe bekommen ...
Das ungarische Ehepaar (re.) hat die zwei Backpacker unterwegs aufgesammelt. Das Mädel aus Tunesien , der junge Mann aus Lettland haben sich erst in Marokko kennen gelernt und reisen eine Zeitlang gemeinsam weiter.
Wir hatten viel Spaß miteinander und auch viel zu erzählen. Nachdem Bruno besichtigt die Katzen gestreichelt und Fotos auf der Dachterrasse geschossen wurden, haben wir uns gemeinsam auf den Rückweg gemacht.
Vielen Dank ihr 4, es war uns eine Freude euch kennenlernen zu dürfen.
Am späten Nachmittag erreichen wir die asphaltierte Straße und erleben unseren ersten Mini-Sandsturm der allerdings nicht zu verachten ist. Auf der Suche nach einem Platz für die Nacht, kommt uns ein junger Mann entgegen gerannt und bedeutet uns anzuhalten. Wie sich herausstellt ist der Spanier mit seinem Fahrrad in Marokko unterwegs und sucht dringend eine Mitfahrgelegenheit zur nächsten größeren Stadt. Natürlich helfen wir weiter und fahren ihn nach Tata. Auf der Fahrt dorthin erzählt er uns das sein Vater einen Schlaganfall erlitten hat und die Familien ihn gebeten hat so schnell als möglich nach Hause zu kommen. Das möchte doch keiner erleben und wir sind froh ein bisschen Helfen zu können. Im Laufe der Nacht erfahren wir , dass er die halbe Welt auf dem Fahrrad bereist hat, in der Schweiz als Hotelpage mehr verdient hat als in Spanien in seinem Beruf als Chemiker...
Mit unseren besten Wünschen für seinen Vater und die Familie verabschieden wir uns in Tata. Hoffentlich wird alles gut...
Den Rest der Nacht verbringen wir außerhalb von Tata auf einer freien Fläche wo wir ein wenig geschützt von Sturm und Wind stehen können. Der nächste Tag , ein reiner Fahrtag führt uns hoch in den Antiatlas wo wir auf 1780 Metern die Nacht verbringen. In dieser Höhe können wir einen Sternenhimmel bewundern den wir zu gerne auch fotografiert hätten, aber der Sturm macht dies einfach unmöglich.
Die Fahrt durch den Antiatlas ist alles andere als langweilig. Hinter jeder Kurve versteckt sich ein tolles neues Motiv und die Landschaft ist so abwechslungsreich das es eine große Freude ist hier zu fahren. Sehr selten kommt uns ein Overlander Exmo entgegen, ansonsten haben wir die Berge für uns :0)))
Und immer wieder tolle Fotomotive, da kann es schon vorkommen das ich ohne Schuhe aus dem LKW hüpfe um eine Aufnahme zu schießen. :0)
Trotz der Trockenheit bietet der Antiatlas überraschende Farbtupfer, so verwandelt sich die Region um Tafraout im Frühling in ein rosa Blütenmeer aus Mandelbäumen. Zudem ist dies die Heimat der Arganbäume aus denen das kostbare Öl gewonnen wird.
Genau dorthin führt unser Weg, nach Tafraout. Hier kann man für kleines Geld auf dem Gemeindestellplatz, der wirklich groß ist stehen und von dort aus die Stadt erkunden.
Wir parken in der Stadt, gehen einkaufen und sind einmal mehr von der Freundlichkeit der Marokkaner entzückt. Auf der Suche nach einem Bäcker wurden wir angesprochen und direkt zu einem geführt. Der junge Mann fungierte sogar noch als Dolmetscher , bis wir alles hatten und den Einkauf beendeten. Erst dann verabschiedetet er sich von uns mit den Worten, "das ist doch selbstverständlich". Da können sich viele in unserem Land eine Scheibe abschneiden...
Wir möchten gerne freistehen und verlassen Tafraout in Richtung der "blauen Steine".
Der belgische Künstler Jean Verame bemalte 1984 zehn Granitblöcke mit blauer Farbe, und schuf einen surrealen Anblick inmitten dieser herrlichen Natur. Ob es gefällt oder nicht bleibt jedem selbst überlassen, auf jeden Fall locken die bunten Steine Touristen an.
Auf dem Parkplatz der blauen Steine darf man nur begrenzt stehen, eben solang wie man für den Besuch braucht. Wir fahren weiter und finden diesen herrlichen Platz für die Nacht. Die Katzen dürfen raus und nach einem gemeinsamen Spaziergang erkunden die beiden auf eigene Tatze.
Bei Nacht versuchen wir uns an der Sternenfotografie mit mehr oder weniger Erfolg, aber mit Spaß.
Nach einer herrlichen Sternennacht geht es für uns weiter nach Guelmim wo wir den Kamelmarkt besuchen wollen.
Schon seit dem 11. Jahrhundert war der Ort ein Handelszentrum und Ziel großer Karawanen die aus Mauretanien und dem Senegal durch die Sahara bis hierher zogen. Gehandelt wurde mit Sklaven, Gold, Salz, Tieren und Stoffen. Besondere Bedeutung erlangte der Markt für den Handel mit Kamelen. Noch in den 1960er Jahren wurden wöchentlich 500 Dromedare gehandelt. Mit 20000 bis 40000 von Nomaden hierher geführten Kamelen war der Kamelmarkt der größte ganz Afrikas. Durch den Verlust der Verbindung nach Süden durch den Westsaharakonflikt und die stärker werdende Sesshaftigkeit der Nomaden verlor der Markt jedoch an Bedeutung uns ist heute ein normaler Wochenmarkt. Allerdings werden noch immer Kamele, Ziegen und Schafe gehandelt.
Die Nacht haben wir auf dem Marjane Parkplatz verbracht, bevor wir diesen tollen Markt besucht haben. Memo an mich... Straßenhunde füttern; ja, unbedingt nur die Futterschalen nicht unbedingt direkt am Auto aufstellen... Die Fellnasen haben die ganze Nacht gebellt ;0)))
Von Guelmim fahren wir weiter an die Küste nach El Quadia wo wir über das Wochenende stehen.
Leider ist das gesamte Wochenende Sturm , und wir können nur wenig draußen unternehmen.
Mit diesem Blick auf den aufgewühlten Atlantik verbringen wir den Arbeits-Sonntag. Machen am Nachmittag einen kurzen Spaziergang an der Strandpromenade entlang, und lassen uns tüchtig durchpusten.
Weihnachten wollen wir in Marrakech feiern, was bedeutet dass wir zwei lange Fahrtage vor uns haben. Irgendwo zwischen Taroudannt und Agadir übernachten wir, um am nächsten Tag den zweiten Fahrtag bis Marrakech hinter uns zu bringen.
Auf dem Campingplatz " Le Relais de Marrakech" erwartet uns ein kleiner Schock, denn der Platz ist bis auf den letzten Zentimeter belegt. Dicht an dicht kuscheln sich die Camper aneinander. Das haben wir nicht erwartet... An Heiligabend regnet es ohne Unterlass was jedoch unsere französischen Nachbarn nicht davon abhält ein Gelage abzuhalten mit einer Lautstärke die nicht zu ertragen ist. Man muss dazu sagen das deren Tische und Stühle keine 2,5 Meter neben unserem Bruno stehen. Irgendwann brüll ich hinaus, dass sie nicht alleine auf dem Platz sind, und andere versuchen ein friedliches Weihnachtsfest zu verbringen.
Dann auf einmal kann man sich benehmen, und mir stellt sich die Frage warum das nicht von Anfang an geht.
Am ersten Weihnachtsfeiertag verlassen wir diesen Campingplatz , der eigentlich sehr , sehr schön ist. Aber bei der Überbelegung einfach nichts für uns ist.
Eigentlich wollten wir uns mit Paul dem Radreisenden treffen, aber leider klappt das nicht.
Zur Erklärung...
wir haben Paul mit seinem Fahrrad das erste mal am Nordkap getroffen, dann wieder in Estland im Baltikum und haben dort ein Treffen ausgemacht in Marokko.
Paul hat aber Besuch aus der Heimat bekommen, und der geht natürlich vor. Aber wir sehen uns wieder , irgendwo auf der Welt.
Von Beni-Mellal fahren wir über die Berge nach Tinghir zu lieben Bekannten die wir im letzten Jahr kennenlernen durften.
Die Strecke über die Berge ist nicht anders zu beschreiben als "absoluter Hammer". Die gesamte Strecke ist schneebedeckt und der marokkanische Winterdienst ( den gibt´s tatsächlich) hat alle Hände voll zu tun.
Diese drei Ziegenhirten haben uns zum Tee eingeladen, als wir zum fotografieren angehalten haben. Weil aber das Wetter immer schlechter wurde und weitere Schneefälle angesagt waren , mussten wir diese schöne Einladung dankend ablehnen. Für uns wäre es der Supergau in den Bergen vom Schnee eingeschlossen zu werden. Trotzdem war es eine sehr schöne Begegnung und nach vielen Umarmungen und Händeschütteln sind wir weiter gefahren, und mit uns der Duft von Ziege.
Ich liebe Marokko und die wundervollen Menschen.
Marokko im Winter, und wir mittendrin. Eine Märchenlandschaft die wir so nicht erwartet hätten.
Allerdings passieren wir mehrere kleine Bergdörfer wo der Winterdienst nicht räumt, und dann wird´s gefährlich. Zwischen den engen Straßen die total vereist sind, und den spielenden Kindern die sich über die Feuerwehr freuen müssen wir unseren Weg bahnen. Aber Inshallah ( so Gott will ) geht alles gut.
Kurze Zeit nach dem wir die Bergstraße verlassen haben, wird diese und viele andere gesperrt.
Jetzt nur noch durch die atemberaubende Todraschlucht die vom Oued Todra auf dem Weg nach Süden in die letzten Gebirgsketten des Hohen Atlas geschnitten wurden, bevor der Flusslauf bei der Provinzhauptstadt Tinghir das Hochland erreicht.
Hier stehen wir wieder bei Adi , der über der alten Lehmstadt von Tinghir sein Cafe bzw. Berberrestaurant betreibt. Hier kann man mit herrlicher Aussicht die marokkanische Küche genießen und in Adi einen lieben Freund finden. Auch Reda, ein junger Marokkaner den wir im letzten Jahr kennen lernen durften ist auch da, und gemeinsam verbringen wir einen lustigen Abend.
Der Rest ist schnell erzählt...
Wir sind zurück nach Tanger Med auf die Fähre nach Spanien, aber das ist eine andere Geschichte die ich euch gerne erzähle.
Bis zum nächsten Blog
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